AGENTS OF S.H.I.E.L.D.: 2×08 “THE THINGS WE BURY”

In dieser Woche hat „Agents of S.H.I.E.L.D.“ eine Menge Geheimnisse enthüllt. Und auch eine gute Bekannte aus der Vergangenheit schaute in „The Things We Bury“ mal wieder vorbei. Alex hat die Ereignisse im Recap zusammengefasst und kommentiert.

„The Things We Bury“ enthält drei Handlungsstränge auf zwei Zeitebenen. Die Folge schließt wieder einige Lücken auf dem Weg zur Enthüllung unseres großen Staffelmysteriums. Das ganze ist spannend erzählt, mit guten Dialogen und schönen Comic-Schauspielmomenten und enthält sogar einige nette Regieschnörkel. Vielleicht die beste Folge der Staffel bisher, nachdem schon die letzte Woche ein Erfolg war. Warum nicht gleich so, Jed und Maurissa? Warum nicht gleich so?

Nachdem ich dieses übliche Daumen-Urteil getroffen habe, sollten wir diese Woche mal syuzhet und fabula trennen und zusammenfassen, was zur Hölle eigentlich Sache ist. Der Zeitpunkt für eine ausführlichere Analyse ist günstig, da die Folge, wie erwähnt, viele bisher aufgeworfene Fragen beantwortet und die ganze Serie relativ sicher auf die Schienen setzt, die schon bald vermutlich erst in einer Art Zwischenfinale vor Weihnachten und dann wahrscheinlich in Age of Ultron enden werden. Dazwischen steht uns ja auch noch Agent Carter, die Serie, bevor, aber dazu später mehr.

Also: 1945 erhält Werner Reinhard, einer der engeren Vertrauten des Hydra-Gründers Red Skull, den Obelisk auf seinen Raubzügen in Europa und testet ihn in einer Burgruine in Österreich. Er kann noch feststellen, dass einzelne Menschen – darunter eine junge Frau – nicht von dem Artefakt getötet werden, bevor Agent Carter und die Howling Commandos seine Basis hops nehmen. Carter verhört Reinhardt, kann jedoch nichts aus ihm herausbekommen und bringt ihn lebenslang hinter Gitter. 1989 wird Reinhard befreit, trifft die gleiche Frau wieder, die im Gegensatz zu ihm nicht gealtert ist, und experimentiert so lange mit ihr, bis er den Stoff gefunden hat, der ihr ewige Jugend beschert. Die Frau, die augenscheinlich die Mutter von Skye ist, stirbt und Reinhard wird, frisch verjüngt, zu Whitehall. Der Mann der toten Frau, Skyes Vater – der immer noch keinen Namen außer „Doctor“ hat – findet den verstümmelten Leichnam seiner Frau und schwört Rache. (Größtes Fragezeichen in dieser Geschichte: Was machen all die Menschen, die asiatisch aussehen und eine asiatische Sprache sprechen, in Österreich? Wurde hier eine Location später geändert?)

Weitere 25 Jahre später, im Jetzt, treffen Whitehall (immer noch jung) und der Doctor bei HYDRA zusammen und beschließen, ihr Wissen zusammenzutragen. Der Obelisk, oder auch „Diviner“, was man mit „Erkenner“ übersetzen könnte, kam vor langer Zeit auf die Erde – einem Mythos nach von „blauen Engeln“ überbracht. Höchstwahrscheinlich sind dies die blauen Aliens, aus deren Gewebe das Serum gewonnen wurde, mit dem sowohl Coulson als auch Skye dem Tod entronnen sind. (Marvel hat inzwischen enthüllt, zu welcher Comic-Rasse die Aliens gehören, aber aus Spoilergründen behalte ich das hier mal für mich) Der Diviner soll ein Schlüssel sein, mit dem diejenigen, die würdig sind, ein Tor öffnen und die Welt erobern oder beenden können. Es ist davon auszugehen, dass es sich um das Tor in oder zu der Stadt handelt, nach der SHIELD sucht. Das also wird das Ziel sein, auf das wir 2014 noch hinsteuern. Nur: was wird dort passieren? Wird sich Agents of SHIELD trauen, ein Weltraumtor zu öffnen? Und was bedeutet das für Skye („That’s not her name!“) und ihre Alien-DNS? Und nur, um das Wort noch einmal zu sagen – schließlich steht uns 2017 ein Film gleichen Namens bevor: Inhumans?

HYDRA hat den Schlüssel, SHIELD hat die Karte. Der Zuschauer hat alle Informationen, die beiden Schatzsucherteams nur jeweils einen Teil. Auf geniale Weise treffen die Köpfe beider Unternehmungen, Coulson und der Doktor, in dieser Folge einmal kurz zusammen, müssen sich aber unentschieden wieder trennen, weil Zeit und Umstände nichts anderes erlauben. Die Verbindung zwischen beiden Seiten ist Grant Ward, die dritte Storyline der Folge, der beide Lager kennt und von dem wir nicht wissen, was er vorhat (außer seinen Bruder und dessen Familie zu töten – aber warum? Um seine HYDRA-Loyalität vorzutäuschen und sich bei Whitehall beliebt zu machen, oder weil er tatsächlich nur ein kaltblütiger Killer ist?). Und es gibt noch immer einige Dunkelstellen: Welches Pferd haben beispielsweise Mockingbird und Hunter in diesem Rennen? Nach dem Gespräch, das Hunter mit Mac in dieser Folge führt ist fast abzusehen, dass es bald wieder zu einem Split – oder zumindest einem Streit – in der SHIELD-Familie kommen könnte.

Außerdem nicht zu verachten ist, wie Coulson darüber philosophiert, dass Nick Fury immer dem Rest der Welt fünf Schritte voraus war – eine wichtige Voraussetzung für Plot-Twists wie in Avengers, wo Coulsons scheinbar zufälliger Tod sich als geplantes Mittel zum Zweck des Zusammenstehens der Avengers entpuppt, und in The Winter Soldier, wo Fury seinen eigenen Tod vortäuscht, um HYDRAs Klauen zu entkommen. Wenn Coulson ab sofort in die gleiche Richtung denkt, sollten wir jetzt schon damit rechnen, dass nicht alle seine Pläne das sind, was sie scheinen.

Bleibt zum Schluss noch festzuhalten, wie geschickt Marvel Peggy Carter in dieser Folge ein zweites Mal – sowohl sichtbar in Form von Haley Atwells Szene, als auch indirekt durch ihre Akten und Simmons‘ Schwärmerei – auftauchen lässt, um das Publikum für die bevorstehende, sechsteilige Agent Carter-Serie im Januar in Stimmung zu bringen. Für Shared-Universe-Nerds wie mich wird es spannend sein, inwieweit die beiden Serien und der Rest des MCU über die reinen Figuren hinaus miteinander zu tun haben werden. Da Agent Carter tendenziell die Serie mit dem höheren Profil sein wird, könnte ich mir vorstellen, dass die Verknüpfungen mit Age of Ultron oder Ant-Man durchaus etwas größer sein könnten.

Beste Szene: Die einfache aber schicke „Zeit vergeht“-Sequenz in Whitehalls Gefängniszelle.

Bester Dialog: Simmons spricht noch einmal auf erschreckend entwaffnende Weise aus, wie es sich anfühlt, eines Tages in einem kosmischen Superheldencomic-Universum aufzuwachen, nachdem jemand es als unmöglich bezeichnet, dass Reinhard und Whitehall die gleiche Person sind.: „I would agree with you, before ‚alien‘ was a word we used daily.“

Note: 1 – / 4 von 5 Ninjasternen.

Alexander Matzkeit
Alexander Matzkeit schreibt über Film, Medien und Zukunft wo immer man ihn lässt. Meistens in seinem Blog "Real Virtuality" - www.realvirtuality.info
Alexander Matzkeit

@alexmatzkeit

Schreibt und spricht über Film und Medien, zum Beispiel im Audioblog LEXPOD, verdient Brot bei @kleineforscher
Danke für solches Feedback. Ich versuche eine Mischung aus Meinung, Selbstbespiegelung und Lehrreichem zu finden, h… https://t.co/qXs80Z97gi - 12 Stunden ago

Alexander Matzkeit

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