Berlinale 2015: 54: The Director’s Cut (Panorama)

Zweimal Nostalgie in einem Film: In Mark Christophers „54: The Director’s Cut“ geht es zurück ins New York der 70er Jahre – und in die 90er mit einem jungen Ryan Phillippe und Salma Hayek. Mit dem Film ursprünglich aus dem Jahr 1998, werden auf der Berlinale zum ersten Mal die 40 Minuten gezeigt, die aus der Kinoversion aus damals gnadenlos rausgeschnitten wurden.

Studio 54 war der angesagteste Club im New York der 70er Jahre. Wild tanzten hier Stars und Models nebeneinander, halbnackte Kellner bloß in Shorts bekleidet wuselten durch die Menge und Drogen waren der Treibstoff der Nacht. Buntes Diskolicht, Glitzerregen, pulsierende Disko-Musik, sich dazu im Rhythmus bewegende und gegenseitig berührende Körper. Einfach pure Ekstase. Nirgends sonst gab es Ende der 70er einen solchen Ort, an dem sich wundervolle Menschen für eine Nacht lang bis zum Morgengrauen verlieren konnten. Es war der Club der Hübschen, der Reichen, der Talentierten, der Kreativen.

Studio 54

Ryan Phillippe und Neve Campbell im New Yorker Studio 54 – © Courtesy of Miramax

Es sind aber nicht die Schauspieler und Stars, sondern ein Barkeeper, ein Kellner und ein Garderobenmädchen in ebendiesem Club, welche die Hauptfiguren in „54: The Director’s Cut“ sind. Grenzen zwischen sexueller Anziehung, Freundschaft und Liebe verschwimmen im Ambiente der Clubs, im Fokus der Dreiecksbeziehung steht der opportunistische und bisexuelle Shane (Ryan Phillippe). Seine blonden Locken, sein makelloser Körper, sein aufstrebender und optimistische Geist machen ihn zum Rebell und Sexsymbol, dem niemand widerstehen kann. Seine Begeisterung für das verrückte New Yorker Nachtleben muss den Kinobesucher einfach mitreißen. Salma Hayek, als die Garderobiere der Stimme einer Sängerin und dem Blut einer Latina, und auch Breckin Meyer als ihr süßer, treuer Ehemann sind ebenbürtige Partner im Liebeschaos. Der Film erzählt von sexuellem Erwachen, Freundschaft und Träumen, aber auch von den Gefahren und Schattenseiten der bedingungslosen Hingabe zum wilden Nachtleben.

Studio 54: Director`s Cut © Courtesy of Miramax

Studio 54: Director`s Cut © Courtesy of Miramax

Und wer jetzt denkt, warte mal, die Handlung kommt mir so bekannt vor, dann kann das gut sein – und auch nicht. Denn der Film erschien erstmals offiziell im Jahr 1998. Damals war es eine gekürzte Version von 90 Minuten. Der Kuss der zwei männlichen Protagonisten sowie jegliche Anspielungen auf Homosexualität wurden damals nach den Testscreenings rausgestrichen. Ganze 40 Minuten wurden gekürzt. In zweiwöchigen Re-Shoots wurde Ryan Philippe’s Charakter dann um einiges weniger bisexuell und die Beziehung zu seinem Schauspiel-Schwarm, gespielt von Neve Campell, wurde ausgebaut. Erst jetzt im Jahr 2015, also 17 Jahre nach dem ersten Erscheinen des Films, brachte Regisseur Mark Christopher seine Idee durch, endlich seinen originalen Cut in den Kinos zu zeigen. Und es lohnt sich. Die fantastische Musikauswahl trägt zum rasanten Tempo der Geschichte einen entscheidenden Teil bei, abgerundet wird alles mit Originalvideos aus dem echten Studio 54. Manche der neuen Aufnahmen wurden an deren körnige Auflösung angepasst, andere sind wieder ganz scharf, wodurch eine einzigartige Bildsprache entsteht. Die neue Geschichte ist zwar düsterer, hat aber mehr Tiefe und ist genau deswegen eine so viel glaubwürdigere Hommage an die Disko-Hochzeit.

Ninja Nora

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Autor at Serien Ninja
Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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