Berlinale 2015: Fifty Shades of Grey (Berlinale Special Gala)

Schon in den Pressevorführungen zu Sam Taylor-Johnsons Film ‚Fifty Shades of Grey‘ gab es großen Andrang. Auch in den nächsten Wochen wird der Film viele Menschen ins Kino ziehen. Viel zu viel Rummel um einen unspektakulären Film, der neben vielen anderen tollen Filmen auf der Berlinale dieses Übermaß an Aufmerksamkeit nicht verdient hat.

Für alle die das Buch nicht gelesen haben, Mr. Grey ist nicht nur ein mysteriöser Milliardär und erfolgreicher Geschäftsmann. Nein, er ist so viel mehr. Im Laufe des Films „Fifty Shades of Grey“ enthüllt er eine Vielzahl seiner Talente. Er ist ein fabelhafter Klavierspieler. Kann tanzen. Als Pilot fliegt er lässig mit seinem Helikopter über Seattle. Lange Frauenhaare kann er in Zöpfe flechten. Und, ganz wichtig, er ist ein Meister im Knotenknüpfen. Sollte er auch sein, denn das wird in jeder Sexszene zu Genüge gezeigt. Wo auch sonst mit den Nahaufnahmen hin, wenn die Intimzonen tabu sind? Bei einem Buch, das für brenzlige Sadomasoszenen bekannt geworden ist und als Bestseller hauptsächlich von (Haus-)Frauen weltweit gelesen wurde, enttäuscht die filmische Umsetzung. Allein die Frau darf sich entblößen, Brüste und Po bekommt man zu Gesicht. Die Kamera ist viel zu sehr damit beschäftigt, den Intimbereich zu umgehen und fährt sich stattdessen in statischen Bildern fest. Sakrale Chorgesänge und Slow Motion machen es auch nicht mehr besser. Wenn es dann überhaupt endlich mal zu einer der wenigen Sexszenen kommt. Vielleicht drei Sexszenen hat der Film zu bieten, und irgendwie fühlt man sich betrogen. Das war es?

Jamie Dornan und Dakota Johnson - © Universal Pictures

Jamie Dornan und Dakota Johnson – © Universal Pictures

Was war mit der Prämisse eines erotischen Films? Besonders enttäuschend ist es, da Lars von Trier das Thema der Sexsucht auf der letzten Berlinale mit so viel Fingerspitzengefühl für künstlerische sowie ästhetische Aspekte umsetzte. Das Leben seiner Nymphomanin hatte Höhen und Tiefen, tat aber vor allem eins – erzählte eine Geschichte mit Gehalt. Nicht so eine gähnende erzählerische Leere, wie sie Kinogänger weltweit in den kommenden Wochen in ‚Fifty Shades of Grey‘ durchstehen müssen. Es ist zwar bekannt, dass es sich bei der Buchvorlage lediglich um Twilight-Fanfiction handelte, aber noch plumper hätte der Abklatsch nicht sein können. Wenn Mr. Grey (Jamie Dornan) seine Anastasia (Dakota Johnson) davon überzeugen will, sich von ihm fernzuhalten, ihr dann über die Wange streicht und einen dramatischen Abgang macht, ist es Bella & Edward aufs Neue. Überall sind die Parallelen zu sehen, von der Familienkonstellation der Protagonistin bis hin zu dem Spaziergang im Wald, bei dem man erwartet, dass Mr. Grey mit seinem Mädchen auf den Rücken die Bäume hochsaust, bevor es zum klärenden Gespräch kommt. Genau wie in Twilight, gibt es keine fesselnde Geschichte. Er will mit ihr Sadomaso-Sexspielchen machen, sie will nicht. Sie versuchen es. Können sich aber nicht einigen. Der eine will, die andere nicht. Die Frage, ob er seine sexuellen Verlangen Frauen aufdrängen muss, ist berechtigt. Muss man sexuelle Vorliebe immer teilen? Und wenn nicht, dann ist es vielleicht nicht der richtige Partner.

Aber nicht für Mr. Grey. Den macht das Missbehagen und die Unschuld von Anastasia total an. Jetzt will er sie erst recht mit Peitschen malträtieren. Kurz vor Schluss macht sie die Feststellung schlechthin: Es gibt einen Grund, weswegen er so ist, wie er ist. Aber auch das wird dann schnell abgehandelt. Eine schwere Kindheit. Die macht ihm heute noch zu schaffen, deswegen lässt er keinen an sich ran. Wäre der Film wenigstens gut umgesetzt. Kitschige Popballaden unterlegen die Handlung, Graufilter liegen auf der Stadt, denn wer es noch nicht mitbekommen hat, der Film heißt ‚Fifty Shades of Grey‘. Dakota Johnsons Darbietung ist naiv und nervig. Jamie Dornan spielt hölzern. Dabei konnte er in einigen Serien doch schon überzeugen. Es scheint am Drehbuch und natürlich an der Buchvorlage zu liegen: Platte Dialoge mit zu vielen doppeldeutigen Redewendungen machen den Film unfreiwillig komisch. Da kann Mr. Grey noch so lange traurige Melodien auf dem Klavier klimpern. Am Ende waren diese Lacher das Beste am Film.

Ninja Nora

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Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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