Berlinale 2015: Knight of Cups, Cinderella (Wettbewerb)

Terrence Malicks Film ‚Knight of Cups‘ mit Christian Bale ist mit philosophischen Dialogen und experimentellen Kameraeinsätzen auf kunstvoll getrimmt, ‚Cinderella‘ von Kenneth Branagh mit eindeutigen Witzen und bunten Märchenkostümen das genaue Gegenteil. Die beiden Wettbewerbsfilme wollten auf eigene Art überzeugen, zählten aber nicht zu den Höhepunkten der Berlinale.

Knight of Cups

"Knight of Cups"

Christian Bale und Natalie Portman in ‚Knight of Cups‘ – © Melinda Sue Gordon; Dogwood Pictures

 

Es sind die Aufnahmen der beeindruckenden Landschaften um L.A., die innovativen Kameraeinstellungen und Gebrauch von ungewöhnlicher Optik wie der eines Fischauges auf der Kinoleinwand, die „Knight of Cups“ interessant und sehenswert machen. Auch die Dialoge von Terrence Malick sind speziell und gut geschrieben. Es sind reflektierende Gedanken über das Leben eines Manns, von ihm und über ihn. Christian Bale spielt Rick, einen Screenwriter aus L.A. Die Handlung ist in verschiedene Episoden aufgeteilt, jeweils tragen sie den Namen einer bestimmten Tarot-Karte. Jede Episode zeigt den Einfluss einer bestimmten Person oder eines Aspekt in seinem Leben. Die Beziehung zu seinem Bruder und Vater spielen eine Rolle, aber hauptsächlich werden seine bisherigen Beziehungen zu Frauen dokumentiert – durchweg schöne Frauen wie Cate Blanchett, Imogen Poots, Natalie Portman. Theresa Palmer oder Isabel Lucas. Dennoch wirkt es oft, als ob der Film bewusst einen auf kunstvoll macht, schafft es aber nicht zu bewegen. Die fragmentierte Erzählstruktur schafft eine derartige Distanz zu den Charakteren, dass man bis zur letzten Minute das Gefühl hat, keinen von ihnen richtig kennengelernt zu haben, vor allem nicht Christian Bale`s Hauptcharakter.

Cinderella

CINDERELLA

Lily James und Richard Madden in Kenneth Branagh’s ‚Cinderella‘ – © Jonathan Olley; Disney Enterprises

 

Ob immer eine Märchenverfilmung im Wettbewerbsprogramm auf der Berlinale sein muss? Eigentlich weiß jeder, dass ein Märchenfilm nicht viel dazu beitragen wird. Selbst wenn er außer Konkurrenz läuft und es gar nicht um den Wettstreit der Bären geht, tut sich ein solcher Film schwer, mit Filmen wie ‚Taxi‘, ‚Victoria‘ oder ’45 Years‘ zu konkurrieren. Und selbst wenn Kenneth Branagh Regie führt. Cate Blanchett als böse Stiefmutter und Helena Bonham Carter als gute Fee auftreten. Trotzdem ist der Disney-Film im Wettbewerbsprogramm der Berlinale dabei. Dieter Kosslick wird wissen warum. Vielleicht wegen Lily James. Die Jungschauspielerin ist die Disney-Prinzessin schlechthin, in ihren Bewegungen und ihrer ganzen Art wirkt sie, als ob sie die Fleisch und Blut gewordene Zeichentrickfigur aus dem Original Trickfilm von 1950 wäre. Mit dem von ihrer Mutter an sie weitergegebenes Mantra würdigt sie „kindness and courage“ über allen anderen menschlichen Qualitäten und das kommt ihr natürlich zugute. Spätestens, wenn sich Richard Madden als Prinz mit braunen Locken, strahlend blauen Augen und einem Händchen für witzige Dialoge Hals über Kopf in sie verliebt. Lustig sind auch Holliday Grainger und Sophie McShera als zickige, nicht so ganz schlaue Stiefschwestern, angeführt von einer wunderbar fiesen Cate Blanchett. Damit Helena Bonham Carter`s Auftritt im Film sich auch lohnt, gibt es in der Mitte dann eine unendlich lange Verwandlungsszene. Obwohl ihr oft ausgefallene Rollen liegen, ist ihr Potential mit falschen weißen Zähnen, einem glitzernden Tüllkleid und Puffärmeln nicht wirklich ausgeschöpft. Die 3D-Mäuse, bunten Kostüme und einfache Dialoge bringen einen netten Familienfilm auf die Leinwand. Aber viel mehr ist es dann auch nicht. Nachdem im letzten Jahr Léa Seydoux in ‚Die Schöne und das Biest‚ zu sehen war, steht nun aus, ob im nächsten Jahr dann die englische Version der Schönheit mit dem Monster mit Emma Watson in der Hauptrolle auf der Berlinale 2016 zu sehen sein wird.

Ninja Nora

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Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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