Berlinale 2015: Love & Mercy (Berlinale Special Gala)

Love & Mercy erzählt die Geschichte des kreativen Beach Boys Mastermind Brian Wilson mit Paul Dano in der Hauptrolle. Ein Film über Liebe, Anerkennung, krankhaftem Perfektionismus und Schizophrenie.

Reglos liegt er im Bademantel in seinem Bett und starrt an die Decke. Brian Wilson, Sänger der Beach Boys in seinen Zwanzigern. Ein Alter, in dem die meisten Menschen vor Energie sprühen. „Wenn ich gefragt werde, ob ich wirklich zwei Jahre lang im Bett geblieben bin, dann antworte ich: „Es waren eher drei Jahre.“ Das erzählt Wilson Jahre später seiner zukünftigen Frau Melinda – in ‚Love & Mercy‘ erfahren wir es nur wenige Szenen später. Zeitsprünge zwischen verschiedenen Phasen des Lebens von Brian Wilson strukturieren dieses Musiker-Biopic. Darin gibt es ihn als langsam in die Breite gehenden Mittzwanziger gespielt von Paul Dano (‚There Will Be Blood‘) und als einen erwachsenen Mann(John Cusack), der unter enormen Einfluss von Medikamenten nicht mehr ganz er selbst ist. Regisseur Bill Pohlad setzt Fragmente seines Lebens zusammen, und malt damit ein rundes Bild. Er verbindet Past Brian und Future Brian auf neue Weise miteinander und verdeutlicht, wie der einst inspirierte junge Musiker langsam an dem ihm auferlegten Druck der Musikbranche zerbricht und was dann noch von ihm übrig bleibt.

Beach Boy am Pool - © François Duhamel

Beach Boy am Pool – © François Duhamel

Pedantisch-perfektionistisch gibt Paul Dano einen Brian Wilson, der bei den Aufnahmen zu Pet Sounds im Tonstudio alles bis ins kleinste Detail genau so wie in seinem Kopf klingen lassen will und sich der Musik ungebremst hingibt. In anderen Szenen ist er dann wieder der Brian Wilson, der in der Aufnahmekabine an den Stimmen in seinem Kopf kaputt geht. Oder wie gelähmt in sich zusammengesackt am Poolrand sitzt und sich trotz den freudigen Rufen seiner damaligen Frau nicht dazu bringen kann, beim ersten Lächeln seiner Tochter dabei zu sein. In Nebenrollen von ‚Little Miss Sunshine‘ bis kürzlich ‚Twelve Years a Slave‘, hat Paul Dano immer wieder seine schauspielerische Vielfalt bewiesen. Doch mit seiner Hauptrolle in ‚Love & Mercy‘ gelingt ihm eine weitere Glanzleistung. Den älteren Brian Wilson stellt John Cusack ebenso sensibel dar und bringt zusammen mit Elizabeth Banks als Melinda Ledbetter den Anfang einer ganz besonderen Liebesgeschichte auf die Leinwand.

Paul Dano als junger Brian Wilson während der Aufnahmen zu 'Pet Sounds'  (1966)

Paul Dano als junger Brian Wilson während der Aufnahmen zu ‚Pet Sounds‘ (1966) – © François Duhamel

Ohne sich in der Darstellung von maßlosem Drogenkonsums zu verlieren, rückt Pohlad die psychischen Probleme des Musikers und deren Verstärkung durch die Misshandlung seines Vaters in den Mittelpunkt. Im Kontrast dazu lassen musikunterlegte Aufnahmen der Beach Boys, immer lustig mit einem Surfboard unter die Arme geklemmt oder einem Schlauchboot auf dem Kopf, die schönen Tage der 60er Jahre im Retro-Flimmern wieder aufleben. All das, ohne die Musik in den Hintergrund zu drängen. ‚Love & Mercy‘ zeichnet die Entstehung bekannter Melodien von „God Only Knows“ oder „Wouldn’t it be nice“ nach und zeigt die Zweifel, die der neue Sound der Beach Boys für Wilson mit sich brachte. Mit gutem Grund will sich Brian vom frühen glückseligen Sound der Beach Boys abwenden: „Wir sind keine Surfer, und Surfer hören unsere Musik sowieso nicht.“ Noch heute sind seine Songs aus genau dieser Schaffensphase auf der ganzen Welt bekannt und gern gehört. Zurecht endet der Abspann mit einer dankenden Zeile an Brian und Melinda, für ihre Vertrauen in den Film. Denn ohne die beiden und seine musikalische Genialität, hätte es diesen wunderbaren Film auch nicht gegeben.

Ninja Nora

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Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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