Berlinale 2015: I Am Michael, Angelica (Panorama)

Auf der Berlinale gab es in diesem Jahr gleich drei Filme mit James Franco. Neben seinen Rollen in den Wettbewerbs-Filmen ‚Every Thing Will Be Fine‘ und ‚Queen of the Desert‘ wirft vor allem seine Rolle in „I Am Michael“, wenn er sich vom Stützpunkt der amerikanischen LGBT-Community zu einem homophoben Priester verwandelt, Fragen auf. Ein anderer Panorama-Film „Angelica“ ist dagegen alles andere als spannend.

I Am Michael

James Franco und Zachary Quinto in 'I am Michael'

James Franco und Zachary Quinto in ‚I am Michael‘

Dieses Jahr war es die Berlinale von James Franco. Im Wettbewerb spielte er in Werner Herzogs ‚Queen of the Desert‘ einen Liebhaber an der Seite von Nicole Kidman und die männliche Hauptrolle in ‚Every Thing Will Be Fine‘ von Wim Wenders. Beeindruckend ist aber vor allem seine Rolle im Panorama-Film „I Am Michael“. Das größtenteils aufgrund der krassen Geschichte seines Charakters, die auf dem Leben einer wahren Person basiert.
„Hi, I’m Michael“, stellt sich James Franco in der ersten Szene vor. Dann fängt er an, auf sein Gegenüber einzureden: Es ist deine Wahl, ob du schwul sein willst oder nicht. Ob du in die Hölle kommen willst oder nicht. Dann gibt es eine Rückblende und der Film erzählt, wie Michael zu diesem Punkt kam. Vom Herausgeber eines beliebten Magazins für die US-amerikanische Queer-Szene gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Bennett (Zachary Quinto) wird er zum erzkonservativen Anhänger der Christentums, lässt sich zum Priester ausbilden und heiratet am Ende eine Frau. Damals bekannte er sich selbstbewusst zu seiner Homosexualität, heute schiebt er Hass dagegen. Vom einen Extrem ins andere verschiebt sich seine Einstellung zu Sexualität im Laufe des Films. Wie einige Filme des diesjährigen Berlinale ist es kein Film, der einen direkt Begeisterung schreien lässt, aber mit der Widmung dieser speziellen Thematik hat Regisseur einiges richtig gemacht. Lange nach dem Schauen bleibt die bohrende Frage, wie das alles möglich sein kann. Denn fühlt man nicht, wie man fühlt? Ist es nicht eine Gegebenheit, welche Menschen man attraktiv findet, keine Entscheidung? Es ist schwierig zu glauben, dass er nicht trotzdem noch Männer attraktiv finden muss, denn schließlich gibt es keinen An- und Ausschalter für so etwas. Da der Film aber auf einer wahren Begebenheit basiert, ist es ein Film mit viel anschließendem Diskussionspotential.

Angelica

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Das Fenster zum viktorianischen Hof. Hauptdarstellerin Jena Malone in ‚Angelica‘.

 

Nach der Geburt ihrer Tochter fängt eine junge Mutter im viktorianischen London in ‚Angelica‘ an, Dämonen und dunkle Bedrohungen zu sehen und spüren. Es ist eine düstere Geschichte über den Verfall von geistiger Gesundheit und Wahnsinn. Sind es nur ihre Hirngespinster und pure Einbildung, oder doch Dämonen und unbekannte Mächte? Das einsame, mit Kerzen beleuchtete Haus wäre das beste Setting für einen Horror-Psycho-Thriller, aber der Film hält nicht, was er verspricht. Die Handlung siecht vor sich hin, auf wirkliche Spannung lässt sich lange warten. Alles spielt eingebettet in eine Rückblende, in der die Mutter von Angelica ihrer Tochter gesteht, wie ihr Vater damals verschwand. Dass Jena Malone die Mutter in der Rückblende spielt, sowie Angelica als erwachsene Tochter ist eine interessante, aber doch seltsame Casting-Entscheidung. Woher die Verrücktheit der Mutter stammt, wird bis zum Ende hin nicht plausibel genug aufgeklärt und die Geschichte scheint weder stringent noch logisch. Jena Malone spielt ihre Rolle zwar mit Herzblut, aber so richtig freundet man sich nicht mit ihr an, ist eher irgendwann genervt von ihren Neurosen und Ängsten. Janet McTeer sorgt als Schauspielerin, die vortäuscht, Geister vertreiben zu können, zwar für ein wenig Ablenkung und auch witzige Momente, kann aber die schwachen Momente des Films nicht wieder gutmachen. Und manchmal ist es gar nicht so klar, ob der Film gerade wirklich komisch sein soll, oder dies nur unfreiwillig ist.

Ninja Nora

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Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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