Berlinale 2015: Mot Naturen (Panorama)

Mit seinem neuen Film „Mot Naturen“ erweist sich der Norweger Ole Giæver als Multitalent. Er ist Regisseur, Drehbuchautor und übernimmt als Darsteller die Hauptrolle. Damit hat er alles richtig gemacht.

Raus in die Natur gehen, auf sich allein gestellt, nur mit den eigenen Gedanken als Begleiter – jeder, der einmal gewandert ist, kann dieses Gefühl nachvollziehen. Wenn die Gedanken einfach mal freien Lauf haben. Zuerst sind sie noch Fragmente des schnellen Alltags, hier eine ausgedachte Absage zu einer Feier mit Freunden, da gehen einem die Sätze der Kollegen vom letzten Arbeitstag noch einmal durch den Kopf. Aber nach und nach fangen die Gedanken an, sich zu entschleunigen. Dann richten sie sich in die ferne Zukunft, philosophieren über längst Geschehens, hinterfragen das eigene Leben. Und sind manchmal, wenn man Glück hat und für einen Moment von der Schönheit der Natur überwältigt wird, nicht da. Es ist der seltene Luxus, einmal nichts zu denken und Leere im Kopf zu spüren.
Der norwegische Film „Mot Naturen“ (engl.: Out of Nature) zeichnet ebenso einen gedanklichen Prozess nach. Martin, Mitte 30, ein typischer norwegischer Durchschnittsfamilienpapa, geht übers Wochenende wandern. Der Zuschauer des Films hört aus dem Off immer wieder seine Gedanken, während die Bilder die atemberaubende Landschaften dokumentieren.

Mot Naturen

‚Mot Naturen‘ – Regisseur, Drehbuchautor und Darsteller Ole Giæver mit Frosch.

Bei jedem Schritt ist die Kamera ganz bei ihm. Wenn er über Felsen kraxelt oder durch den Wald rennt, dann zeigen die Bilder ihn als kleinen Menschen in den unendlichen Weiten der Natur. Wenn er dann darüber nachdenkt, was einmal gewesen ist und wie seine einstigen Vorstellungen des Vaterseins der heutigen Realität gar nicht entsprechen, dann kommt die Linse der Kamera ihm wiederum sehr nah. Es sind starke Bilder, die sich einprägen. Dabei schafft es Ole Giæver, der Macher der Films, fließende Übergänge zu peinlicher Situationskomik hinzubekommen. Wenn Martin zu „Forever Young“ mit den Ohrstöpseln im Ohr schief mitsingt oder beim Versuch, sich einen runterzuholen, von einem Jäger im Wald gestört wird. Angefangen bei diesen peinlichen Augenblicken, ist es die Ehrlichkeit von „Mot Naturen“, die berührt. Niemand hätte die Rolle des Martins besser spielen können, als Ole Giæver selbst. Auch die Rollen seiner Frau und seines Sohns, zwar auch fiktionale Charaktere, übernehmen auch seine echte Frau und sein echter Sohn. Insgesamt ist „Mot Naturen“ eine visuelle Meisterleistung über Sehnsüchte und Wünsche, Ängste und Einsamkeit, die Zukunft und das Leben.

Ninja Nora

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Autor at Serien Ninja
Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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