Comics & Graphics präsentiert: Die Comic-Tipps 2014

Dieses Jahr ist es besonders schwierig, die besten Comics unter den vielen Neuerscheinungen herauszukristallisieren. Thematisch und formal gehen die Comics und Graphic Novels immer mehr in die Breite, und teilweise lassen sich die Novitäten nicht miteinander vergleichen Wie dem auch sei, kommen hier Titel, die für mich etwas Besonderes darstellen. Dass hier Tiere öfter mal eine Rolle spielen, ist übrigens rein zufällig. 

1. Die Kinder des Kapitän Grant

Dies ist eine Adaption des tragikomischen Abenteuerromans von Jules Verne. Das alleine ist schon mal gut. Noch besser bzw. interessanter ist, dass der Comickünstler Alexis Nesme sich zweier Darstellungsformen bedient, die einen Bezug zu der Zeit haben, in der die Geschichte spielt – nämlich zum 19. Jahrhundert. Zum einen ist der dreiteilige Comic komplett in einem Stil gezeichnet, der Anleihen an die Malerei der Romantik des 19. Jahrhunderts beinhaltet (Caspar David Friedrich lässt grüßen) – einschl. tiefer und metaphysischer Perspektiven. Zum anderen ist es ein anthropomorpher Comic, und die Darstellung der Protagonisten durch Tiere wurde nicht von Walt Disney erfunden, sondern hat seinen Ursprung ebenfalls im 19. Jahrhundert zB. bei J.J. Grandville, der bereits zu dieser Zeit ‚comichaft‘ die Mensch-Tier-Hybriden gezeichnet. So hat hier jeder Charakter seine Tierentsprechung, und zugleich gelingt spielerisch die Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch. Der Anschlussband der dreiteiligen Serie ist kürzlich erschienen. Ein faszienierendes Comic-Kunst-Experiment, mit Bildern, in denen man sich verlieren kann.

2. Half Past Danger

Für unseren Blog habe ich über diesen Titel mal geschrieben „das ist der Comic vor dem uns das Feuilleton immer gewarnt hat. Half Past Danger ist feinster Retro-Pulp in turbulenter Action mit Nazischurken, Femme Fatale, mörderischen Dinosauriern, und ich zitiere mich hier nochmal selber „… selbstverständlich ist – wann immer jemand ins Wasser fällt – sofort ein Hai zur Stelle.“. Fast wie ein zum Comic gewordener Spielberg Film – nur ohne den Pathos. Das Liebhaberprojekt des irischen Zeichners Mooney ist die zeitgemäße und hemmungslose Essenz des Genres.

3. Guerillas

Im Vietnam-Krieg wird das gesamte Platoon des Schützen Francis Clayton weg gemetzelt. Von nun an muss sich Clayton alleine durchschlagen. Die Lage scheint aussichtslos, bis er auf einen Zug bis an die Zähne bewaffneter Zigarren rauchender und militärisch ausgebildeter Schimpansen trifft. Ob das die Rettung oder der Untergang ist, soll hier nicht verraten werden. Autor und Zeichner Brahm Revel erzählt hier in schönen schwarz/weiss Bildern eine Geschichte, die irgendwo zwischen „Planet der Affen“ und „Apokalypse Now“ liegt. Die Zeichnungen wirken dabei wie aus einer anderen Zeit und fangen vor allem die Atmosphäre in Vietnam zwischen Natur und Kriegsgreuel ein. Erzählt wird auch auf mehreren Ebenen, so gibt es zB. im ersten Band eine längere Passage, in der im Text die Geschichte des Vaters erzählt und die Psychologie der Protagonisten glaubhaft untermauert wird, während in den Zeichnungen das Platoon durch den Dschungel wandert. Guerillas ist als intelligent geschriebener graphischer Unterhaltungsroman ein Kleinod. Band 2 der dreiteiligen Serie ist gerade erschienen.

Bonusrunde: Usagi Yojimbo

Außer der Reihe möchte ich hier noch auf den Sammelband „Usagi Yojimbo Saga 1“ hinweisen. Ich möchte den Band hier nicht lobend erwähnen, weil wir dieses Jahr 30 Jahre Usagi Yojimbo feiern, oder weil der Zeichner Stan Sakei zwei Familienmitglieder in kurzer Zeit begraben musste, oder weil die Krankheit seiner Frau uns nochmal das -Entschuldigung- beschissene amerikanische Gesundheitssystem vor Augen geführt hat (von dem wir hier wohl nicht mehr weit entfernt sind). Auch die Solidarität vieler Zeichner von Mike Mignola bis David Petersen, die Zeichnungen mit Usagi Yojimbo erstellt und die Originale bei eBay versteigert haben, um mit dem Erlös die Behandlung der Krankheit von Sakeis Frau finanziell zu unterstützen (ein Sammelband mit Artworks erschien bei Dark Horse) soll hier nicht als Gradmesser dienen. Lobend erwähnen möchte ich den Band, weil das 600 Seiten messende Buch einen großen Teil eines hervorragenden Comics enthält, weil Sakei ein tolles Repertoire an Geschichten drauf hat, die von Abenteur-Action-Samurei-Gemetzel, über poetische bis zu philosophischen Kurzgeschichten reichen, bei denen auch der Humor nicht zu kurz kommt. Kurz – es ist eine tolle Neuauflage eines großartigen Comics. Der Band ist leider nur auf englisch verfügbar.

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Frank ist Betreiber der Berliner Comicbuchhandlung Comics & Graphics in der Prenzlauer Allee 46. Auf Serien Ninja empfiehlt er regelmäßig aktuelle Comicbände und Graphic Novellen. Wem das gefällt, der schaut mal bei ihm vorbei grüßt schön und stöbert in seinem umfangreichen Sortiment. Mehr von ihm findet ihr auf: www.bluetoons.de
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