Ed Wood, Jack Arnold & Co. – Die besten Trashfilme – Teil 4

Außerirdische Killer-Clowns, nimmersatte Piranhas und Kieler Bettwürste. Der vierte Teil unserer Trashfilm Reihe bietet wieder außergewöhnliches Kinovergnügen. Reinschauen lohnt!

Killer Klowns from Outer Space

Hierzulande ist der Film auch unter dem Titel „Space Invaders“ bekannt. Mit 2 Millionen Dollar Budget und der Einbindung der kompletten dreiköpfigen Bruderschaft der Familie Chiodo, die sich für Regie, Produktion und das Drehbuch verantwortlich zeigen, gelang es dem Film nicht über das Prädikat „Trash“ hinaus zu kommen. Das mag aller Wahrscheinlichkeit nach an der recht abstrusen Präsentation der „Aliens landen auf der Erde um die Menschheit zu knechten“- Story liegen. Das Raumschiff der Außerirdischen ist ein Zirkuszelt. Die Invasoren ein Quintett hässlicher Clowns. John Wayne Gacy und Stephen King lassen grüßen. Obwohl der Film in seiner Urversion auf eine FSK 18 Freigabe verweisen kann, findet sich nicht allzu viel Blutrünstiges innerhalb der 88 Minuten Spielfilmlänge. Interessierte sollten sich die US-DVD Version holen. Dolby Surround und eine Menge Extras locken.

Piranha 2 – Fliegende Killer

Der verantwortliche Mann für die beiden kommerziell erfolgreichsten Filme aller Zeiten „Avatar“ und „Titanic“ führte bei dieser Perle des Tierfilmhorros erstmals Regie. Ursprünglich war James Cameron nur für die (sieht man von der hanebüchenen Story ab, recht gelungenen) Spezialeffekte vorgesehen, dies änderte sich jedoch als der eigentliche Regisseur der Produktion den Rücken kehrte. Bedenkt man, dass der Hauptteil der Crew aus Italienern bestand, die kein Englisch sprachen, kann man durchaus behaupten, dass der spätere Filmvisionär seine erste Feuerprobe mit Bravour bestanden hat. Die Story ist schnell erzählt: „Nachts werden zwei Taucher beim Sex im Meer von einem Schwarm Fische angegriffen und getötet. Da sich noch weitere Angriffe ereignen, geht die Meeresbiologin Anne Kimbrough der Sache mit Hilfe des Biochemikers Tyler Sherman nach. Sherman wiederum arbeitet für die Regierung und verschweigt seine wahre Identität. Er weiß, dass die genetisch veränderten Killerpiranhas hoch aggressiv sind, fliegen können und überhaupt voll nervig sind. Aber als Waffe gegen unliebsame Feinde? Wer das Genre kennt, der weiß: Die Katastrophe ist vorprogrammiert!


Die (Kieler) Bettwurst

Als gebürtiger Kieler komme ich natürlich nicht umhin diesen Film, sofern man den überhaupt als solchen bezeichnen darf, in der Riege unserer Trashfilme mit aufzunehmen. Rosa von Praunheim, der bekannteste homosexuelle Regisseur Deutschlands, sah sich 1970 genötigt, dieses Werk auf die Menschheit loszulassen. Im Norden ist der Film Kult, anders als sein drei Jahre jüngerer Nachfolger die Berliner Bettwurst, den praktisch niemand kennt. Die Geschichte handelt von einem jungen Mann mit schrecklich hoher Stimme und dem geistigen Horizont eines Einzellers, der sich in eine ältere (und verdammt hässliche) Frau verliebt. Das gemeinsame Liebesglück ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn schon bald holen den jungen Mann seine Dämonen der Vergangenheit ein, die in Gestalt dubioser Gangster aus dem Rotlichtgewerbe dem Männchen an die Gurgel wollen. Wer auf Laiendarsteller, eine schlechte Story und grausame Kamerafahrten steht, findet in der „Bettwurst“ seine Erfüllung. Ich geh jetzt mal brechen.


Ator – Herr des Feuers

Conan, dem Barbaren, haben wir diesen italienischen B-Movie zu verdanken. Während das Filmplakat vor Kraft und Agilität strotzt, man fast gewillt ist zu glauben, es erwarte einen Großes (naja, vielleicht ein bisschen viel Kaffee heute) liefert der Film nur spärliche Kost. Hauptdarsteller Miles O`Keeffe, der zuvor als „Tarzan – Herr des Urwalds“ (1981) sein Schauspiel Debüt gab, überzeugte mit schlecht sitzender Perücke, Kindermuskelpacks und einem Gesichtsausdruck. Die Kulissen beschränken sich auf italienische Wälder und alte Ruinen aus grauer Vorzeit. Und auch die Gegnerschaft kommt, mangels Statisten, während des ganzen Films nicht über eine 14 -köpfige Truppenstärke hinaus. Worum geht es? In unbestimmter ferner Vergangenheit wird Ator geboren. Seine Geburt, bei der seine Mutter stirbt, wird von Vorzeichen begleitet, welche darauf hin deuten, dass er eines Tages den grausamen Spinnenkult des Großen Geistes vernichten wird. Diese besteht in erster Linie aus Beinen, deren haarige Oberfläche aus Teilen alter Teppiche geknüpft wurde. „Ator – Herr des Feuers“ wird von Cineasten übrigens gerne als Beweis „völliger filmischer Inkompetenz“ herangezogen. Das hinderte die Macher allerdings nicht daran, zwei Jahre später, 1984, mit „Ator II – Der Unbesiegbare“ eine Fortsetzung zu drehen. In diesem Zusammenhang fordern wir einen nachträglichen Oscar für Arnold Schwarzeneggers Leistung in „Conan -Der Barbar“ und „Conan – Der Zerstörer“. Sofort!


Pink Flamingos

John Waters, der Rosa von Praunheim Amerikas, hat auch einige richtig krasse Leichen im Keller. Uns würde es nicht wundern, wenn dies nicht nur eine Floskel wäre. „Pink Flamingo“ mit Divine, der hässlichsten Drag Queen nach Molli Luft, ist einer dieser Streifen, die Otto-Normalbürger schlagartig vor einem Angriff Homosexueller, Transen, Transsexueller und was der Katalog noch so hergibt, erzittern lässt. Waters, bekannt für seinen schrägen Humor, der in seine späteren Werken „Hairspray“ und „Cry Baby“ in abgeschwächter Form ebenfalls vorhanden ist, verführt den Zuschauer in diesem Film aus dem Jahre 1972 mit absonderlichen Sexszenen. Ein Huhn, das am Fellatio beteiligt ist und anschließend verzehrt wird, ein Butler der sein Ejakulat in einer Spritze aufzieht und damit eine Geisel schwängert, Divine, die ihren Sohn oral befriedigt, eine Musikszene mit einem „singenden“ Anus in Großaufnahme und die berüchtigte Schlussszene, in der Divine „live“ und ohne Schnitt warmen Hundekot in den Mund nimmt. Alles in allem ein Appell an den Brechreiz des Zuschauers. Eine nette Anekdote nebenbei: Divine, die übrigens als eine der ersten in den frühen Achtzigern mit der jungen Stilrichtung Dancefloor große Charterfolge sammelte, war für die zweite Staffel der Sitcom „Eine schrecklich nette Familie“ als Peggy Bundys Mutter vorgesehen, verstarb jedoch vor Drehbeginn an den Folgen ihres Übergewichtes von 170kg an Atemstillstand. Die Folge 22 aus der 2. Staffel der Serie ist ihr gewidmet.

Ninja Tim
Tim`s Serienkarriere begann in den 1980er Jahren mit »Ein Colt für alle Fälle«, »Simon & Simon«, »Trio mit 4 Fäusten«, »Miami Vice«, »Matlock« und den ZDF Weihnachtsserien »Silas« und »Jack Holborn«. Zu seinen Favoriten zählen »The Walking Dead«, »True Detective«, »Modern Family«, »Deadwood«, »Law & Order«, »King of Queens«, »The Wire«, »The West Wing« und »The Newsroom«. Aktueller Favorit: »The Strain«

Ninja Tim

Tim`s Serienkarriere begann in den 1980er Jahren mit »Ein Colt für alle Fälle«, »Simon & Simon«, »Trio mit 4 Fäusten«, »Miami Vice«, »Matlock« und den ZDF Weihnachtsserien »Silas« und »Jack Holborn«. Zu seinen Favoriten zählen »The Walking Dead«, »True Detective«, »Modern Family«, »Deadwood«, »Law & Order«, »King of Queens«, »The Wire«, »The West Wing« und »The Newsroom«. Aktueller Favorit: »The Strain«

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