Genrenale 2015: Berlin Troika, Licht, Phoenix, Schnee in Rio

Am 11. und 12. Februar präsentierte die 3. Genrenale im Berliner Kino Babylon Visionen für den neuen deutschen Genrefilm. Wir haben uns die dort präsentierten Kurzfilme angesehen und einen Überblick zusammengestellt.

Über Tag 1 bzw. die dort gezeigten Kurzfilme hatte Tim bereits gestern berichtet, einige Highlights von Tag 2 der Genrenale habe ich mir allerdings ebenfalls nicht entgehen lassen. Ein paar Einschätzungen zu vier dort präsentierten Werken gibt es gleich, falls ihr aber noch nicht Bescheid wisst über die Genrenale und alles wissenswerte drumherum, solltet ihr in jedem Fall noch einmal Tims Video-Interview mit den beiden Organisatoren des Festivals, Paul Andexel und Krystof Zlatnik reinziehen:

Und nun ohne Umschweife zu den „Shots“ am zweiten Tag der Genrenale:

 

Berlin Troika

Auf dem Höhepunkt eines eskalierenden Krisengipfels zweier Supermächte, bricht der Dolmetscher plötzlich zusammen. Sein Ersatzmann muss zwischen zwei überdimensionierten Polit- Egos, deren persönliche Befindlichkeiten scheinbar über dem Schicksal der Menschheit stehen, vermitteln. Absurderweise liegt es nun allein an ihm, die Welt vor Krieg zu bewahren.

Mit dem ersten Beitrag des Kurzfilm-Blocks brachte man hier gleich den Beitrag, welcher auf mich besonders professionell produziert wirkte. Berlin Troika ist ein rundes, durchaus originelles Konzept kreativ umgesetzt und das ist ja eigentlich auch alles, was ein Kurzfilm leisten kann, zusammen mit der Kunst, eben die richtige Länge zu haben und zu wissen, wann Schluss sein muss. Das ist hier der Fall und gerade weil man sich auf im Grunde eine Location als Handlungsort beschränkt, toben sich die Macher des Films auch in der ordentlich aus. Die Besetzung ist ebenfalls überzeugend und mit einem Mini-Auftritt von Sebastian Blomberg gewürzt. Schöne Einfälle, wie die Intro-Sequenz mit ihrem Blick auf ein Getränketablet und insgesamt toll eingefangene Bilder machen Berlin Troika wirklich sehenswert. Allerdings frage ich mich doch, wo hier der „Genre“-Aspekt war, denn eigentlich ist der Film weder Horror, noch SciFy, noch Fantasie, noch hat er überhaupt irgendeine „abseitige“ Komponente zu bieten. So richtig ins Programm passt der Film damit eigentlich nicht, hat der Festival-Leitung aber wohl so gut gefallen, dass sie ihn trotzdem aufgenommen haben. Verständlich.

Hier gibt es mehr Infos zu „Berlin Troika“ von Andrej Gontcharov

Licht

Licht von Hannes Rössler ist da schon ein typischerer Genre-Beitrag als der vorige Film und handelt von einer jungen Frau, die in einem Haus in ihrem Wohnblock seltsame Vorgänge beobachtet. Als sie diesen auf den Grund geht, entsteht eine bizarre, erschreckende Situation.
Inhaltlich gewinnt Licht jetzt keinen Innovationspreis und auch der Plottwist am Ende wirkt nicht sonderlich durchdacht und landet eher so halb. Das holt der Film aber mit einer Extraladung Atmosphäre wieder raus, indem er einige echte Grusel-Momente schafft und durch die durchdachte Struktur kommt in den 15 Minuten Laufzeit auch keine Langeweile auf. Kamera, Beleuchtung, Sound-Design und Musik legen sich hier richtig ins Zeug. Was die Präsentation angeht, macht Licht also einiges her. Die Darsteller leisten ebenfalls ganze Arbeit und in Sachen Stimmung könnte sich so manche deutsche Produktion hiervon einiges abschauen.

Hier gibt es mehr Infos zu „Licht“ von Hannes Rössler

Phoenix

Phoenix 2

Sehr ehrgeizig sind auch die Macher von Phoenix, sie erschaffen in ihrem Kurzfilm mal direkt eine ganze dystopische Zukunft, die sehr stark an Ray Bradburys „Fahrenheit 451“ erinnert. Im Grunde könnte man diesen Film wohl als Hommage auf das Bradbury-Buch und sogar ein wenig auf die Truffaut-Verfilmung davon verstehen. Hier geht es inhaltlich um einen Feuerwehr-Kommandanten, der in einer diktatorischen Zukunft für die Verbrennung von Büchern zuständig ist. Phoenix beeindruckt mit aufwändigen Bildern, die zeigen, das heutzutage auch mit kleinerem Geld groß gezaubert werden kann: CGI-Effekte, Abspann im Comic-Stil, Pyrotechnik, schicke Slow-Mo Shots – alles drin. Und sieht auch alles echt gut aus. Inhaltlich kommt der Streifen jetzt nicht ganz so gut zusammen, eigentlich wirkt Phoenix mehr wie einer Art Trailer-Setup für einen Spielfilm oder ein Videospiel, als eine eigenständige Narrative. Aber allein was die Materialschlacht angeht, muss man hier wirklich sagen: Respekt.

Mehr zu „Phoenix“ kann hier nachgelesen werden!

Schnee in Rio

Schnee in Rio

Auch Schnee in Rio mangelt es nicht an Ehrgeiz und aufwändigen Einfällen. Der Film ist eine Art Spionage-Klamotte, tendenziell eher Johnny English als „Austin Powers„, und spielt in der skurrilen Agentenwelt der 60er Jahre. Auch hier haben die Macher offensichtlich keine Mühen gescheut und sogar den bekannten Schauspieler Erol Sander für eine Rolle angeheuert. Er macht als ultra-smoother Geheimagent auch die perfekte Figur. Leider weiß Schnee in Rio aber in vielen Momenten nicht so richtig, was es sein möchte. Mal sind die Szenen sehr Comedy-Slapstick-Stil inszeniert, dann wiederum soll echte Spannung aufkommen. Das passt oft nicht wirklich zusammen und nicht jeder Gag zündet. Der Film startet mit einem imposanten Intro im Stil der alten Bondfilme (sogar mit selbstproduzierten, bombastischen Titelsong), ist aber dann inhaltlich mehr eine Anspielung auf 50er-Jahre Krimis und in Schwarz-Weiß gefilmt. Bond war nie schwarz-weiß. Hier sind also einige Ideen zuviel verwurstet worden, was den Film über seine Laufzeit von 25min dann auch nicht ganz trägt. Allein für seinen Mut zum Aufwand hat Schnee in Rio aber auf alle Fälle ein dickes Kompliment verdient. Hier gibt es nachlesenswertes zu „Schnee in Rio“!

Weitere Informationen zur Genrenale findet ihr auf der offiziellen Seite des Festivals. Wir sind bereits jetzt gespannt, was es nächstes Jahr zu sehen geben wird!

Ninja Philipp

Ninja Philipp

Redakteur at Serien Ninja
Wo immer etwas über einen Bildschirm flimmert, ist Philipp nicht weit! Wahrscheinlich kommt das daher, dass er in seiner Kindheit nicht viel fernsehen durfte. Das kommt davon, liebe Eltern! Heute konsumiert er mit Vorliebe alles, was mit Science-Fiction, Superhelden, Zombies, fiktionalen Königreichen, Robotern, Römern oder zwischenmenschlichen Problemen zu tun hat. Krimis findet er jetzt nicht so spannend, interessante Dokumentationen dafür umso mehr.
Ninja Philipp

@konsumkind

34 | Fels in Brandenburg | Hier ist nicht mal mir zum Lachen
RT @FelixBrummer: Zeit rennt https://t.co/GSVKUz1950 - 8 Stunden ago

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