Im Interview: Hera Hilmar (Island)

Durch ihren britischen Akzent bricht manchmal die Sanftheit der isländischen Sprache durch. Hera Hilmar (26) wuchs zwar in Island auf, absolvierte ihre Schauspielausbildung jedoch in England. Das zahlte sich aus, denn nun arbeitet sie regelmäßig zweisprachig in isländischen Filmen oder britischen Serien wie „Da Vinci’s Demons“. Beim „Shooting Stars Programm 2015“ wurde sie ausgewählt, ihr Heimatland Island auf der Berlinale zu repräsentieren. Wir sprachen mit ihr über den internationalen Filmmarkt und Zukunftspläne.

Hast du filmische Lieblingsländer?

Mein Vater hat mich praktisch immer gezwungen, oder mich dazu motiviert, alle möglichen Filme zu schauen. Ich hab schon immer das europäische Kino geliebt, aber auch aus Amerika und Südamerika. Ich denke, ich kenne mich am wenigsten mit Bollywood aus. Für mich ist es wichtig, dass Menschen nicht nur solche Filme sehen, die sehr einfach zu verstehen und sehr kommerzialisiert sind, das Gehirn lähmen.

Welche Sprache würdest du gerne sprechen, wenn du sie nicht lernen müsstest und einfach die Wahl hättest?

Vielleicht Deutsch, weil ich hier geboren wurde und auch Berlin sehr liebe. Es ist so eine großartige Stadt. Aber ich würde natürlich auch gerne Französisch sprechen können, denn ich liebe die französische Filmszene. Oder irgendwas komplett anderes, wie Chinesisch!

Was ist das Negative und Positive an der Schauspielszene in Island?

Es gibt nicht so viele Jobs, aber das Gute an der Schauspielszene ist, dass viele Filmschauspieler ihre eigenen Projekte auf die Beine stellen. Es ist ziemlich einfach das hinzubekommen, das ist wirklich toll an Island. Es ist nicht schwer, eine eigene Schauspielproduktion irgendwo aufzuführen und wenigstens ein paar Leuten zu zeigen. Ob man dann wirklich davon Leben kann und die eigenen Rechnungen zahlen kann, ist eine ganz andere Frage. Aber das ist doch überall so.

Du sprachst gerade vom Schauspielern im Theater. Welche Beziehung hast du dazu, stehst du gerne auf der Bühne?

In Island habe ich eine kleine Theatergruppe mit Freunden, im Grunde schon seitdem wir Teenager sind. Vor ein paar Jahren haben wir eine kleine Aufführung gemacht, ein neues Stück, das wir selbst geschrieben haben. Zu Schulzeiten haben wir dieses Stück aufgeführt, welches auch ziemlich gut ankam. Es ist mit der Grund, weswegen ich eine große Rolle in dem Film „The Quiet Storm“ bekommen habe. Ich will auf jeden Fall mehr Theater spielen. In den letzten Jahren habe ich es leider nicht geschafft, weil es einfach mit der Zeit nicht klappte. Ich arbeite bei „Da Vinci’s Demons“, da ist es schwierig Arbeit drum herumzulegen.

Was fasziniert dich im Vergleich zur Serie am Filmformat?

Ich erinnere mich noch daran, dass ich im letzten Jahr „The Deer Hunter“ noch mal geschaut habe. Dort  gibt es diese lange Szene am Anfang, mit der Hochzeit, wenn einem langsam alle Charaktere vorgestellt werden und man die kennenlernt, für eine Stunde oder so, gefühlt eine sehr lange Zeit. Sowas ist in Fernsehserien einfach nicht möglich. Dabei mag ich natürlich, wo das alles hinführt mit Fernsehserien und dass die inzwischen mit Filmen mithalten können.

Du bist nicht nur in Island, sondern auch in England tätig. Wie kam es dazu?

Ich bin wegen meiner Schauspielausbildung nach England gezogen und lebe seitdem dort. Es ist echt gut beides zu haben, denn so eröffnet sich mir einen viel größerer Markt. Auf der einen Seite macht es das einfacher, weil es mehr Jobs gibt, aber auch schwieriger, weil ich mehrere Sprachen sprechen und mich den verschiedenen Kulturen anpassen muss. Ich liebe kulturelle Unterschiede.

Was war der bisherige Höhepunkt deiner Arbeit als Schauspielerin?

Besonders war auf jeden Fall ein Teil des isländischen Films „A Fish in a Bowl“ zu sein. Ein großer Film, fast jeder hat sich den angeschaut. Deswegen hat es mir sehr viel bedeutet, dass ich da drin war. Außerdem hatte ich eine sehr interessante Rolle. Ich mag es Rollen zu spielen, die eine gewisse Vielfalt bieten.

Pläne für die Zukunft?

Mit tollen Leuten zusammenarbeiten, in interessanten Produktionen. Fernsehen, Film, Bühne – ich will alles machen. Was auch immer mir zufliegt. Whatever comes my way!

Ninja Nora

Ninja Nora

Autor at Serien Ninja
Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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@noracaterina

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