Im Interview: Joachim Fjelstrup (Dänemark)

Zwei Filme reichen zum Shooting Star. Als flippige Musikikone in „Itsy Bitsy“ lebt der dänische Schauspieler Joachim Fjelstrup als ob es kein Morgen gäbe. In „9. April“ spielt er einen Soldaten, der die Männer seines Landes beschützen möchte. Im Februar kam der 27-jährige als Teil des „Berlinale – Shooting Star Programm 2015“ nach Berlin. Wir sprachen mit ihm über seine bereits gedrehten Filme und die Arbeit als skandinavischer Schauspieler.

Kannst du uns ein bisschen mehr über die Filme erzählen, die du bisher gedreht hast?

Ich hab ja noch nicht so viel gemacht, nur zwei abendfüllende Filme und zwei Kurzfilme als Abschlussarbeit an der Dänischen Hochschule für Film. Der erste Film heißt „Itsy Bitsy“ und handelt von einem dänischen Dichter, der in den 60ern lebte. Es basiert auf einer wahren Geschichte. Er relovutionisierte die Art, wie die Texte zu Musik in Dänemark geschrieben wurden. Also vor allem Songtexte. Er war unser Bob Dylan. Vor ihm gingen alle Texte so: „Oh, my love is gone and it hurts…“ Er hat diese bunten Bilder mit seiner Sprache geschaffen und jeder dänische singende Künstler schenkt ihm heute noch Anerkennung.

Zudem hat er in einer interessanten, einer hochpolitischen Zeit gelebt.

Ja, während des Kalten Kriegs. Eine Zeit, in der die Leute wirklich Angst hatten, es gäbe kein Morgen. Er lebte immer im Hier und Jetzt. Er hatte keine Ausbildung, kein Erspartes. Der hat seine Kunst einfach gelebt und hat natürlich eine Menge Drogen genommen. Bei seinem ganzen Projekt ging es um Freiheit, er wollte sich selbst befreien. Inmitten dessen hat er sich in dieses Mädchen verliebt. Und das war ein Problem, weil es nicht mit seinen Prinzipien einher ging. Er wollte, dass sie frei ist, jeden lieben kann. Aber umgehen konnte er damit nicht. Von Freiheit diesbezüglich keine Spur. Ich denke, die Geschichte ist einfach ziemlich cool. Selbst, wenn jemand mit ihm und seiner Band anfangen kann, ist eben auch eine tolle Liebesgeschichte.

Der zweite Film den du gedreht hast, geht in eine vollkommen andere Richtung. 

Das stimmt. [„9. April“] ist ein dänisches Drama um den zweiten Weltkrieg und den Einmarsch der Deutschen. Der Kampf zwischen David und Goliath. Das Gefecht ging nur vier Stunden. Jeder wusste, dass wir nicht gewinnen konnten. Dänemark hatte damals Fahrrad-Einheiten an die Front geschickt, um die deutschen Panzer zu kontern. Ich spiele da den Anführer der Motorrad-Einheit. Ich treffe also zuerst auf die deutschen Panzer und drehe um, zurück zu dem Charakter von Pilou Asbæk, der war hier auch mal bei den Shooting Stars. Er spielt den Anführer der Fahrrad-Einheit. Alle meine Szenen mit ihm gehen ungefähr so: „Nein, nein, nein, geht zurück!“ und er sagt immerzu „Ein Befehl ist ein Befehl.“ Auf jeden Fall sind es zwei sehr verschiedene Rollen – ein treuer Soldat, der andere ein langhaariger Flipper in einer knallbunten Welt.

Joachim Fjelstrup als Soldat im dänischen Weltkriegsdrama »9. April«

Welchen Charakter hast du lieber gespielt?

Der Charakter in „Itsy Bitsy“ gefällt mir irgendwie mehr. Außerdem ist es ja ein Hauptcharakter, da sind dann immer mehr Szenen zu spielen und ich konnte so viele Seiten von ihm zeigen. Wenn man einen Nebencharakter spielt, kann man oft nicht alle Facetten der eigenen Rolle erkunden, wie er sich in welcher Situation verhält. In „Itsy Bitsy“ war das wahnsinnig gut. So viele verschiedene Situationen!

Worin siehst Du die Schwierigkeiten und die Vorteile an der Schauspielszene in Dänemark?

Ich denke, dass wir in Dänemark eigentlich sehr privilegiert sind. Wir machen so viele großartiger Filme für ein Land mit gerade mal 5 Millionen Einwohnern. Ich habe echt Glück, Teil von zweien gewesen zu sein. Wenn ich zukünftig noch mehr dazu beitragen könnte, dann wäre ich der glücklichste Mann auf der Welt.

Die skandinavischen Sprachen, wie Dänisch, Schwedisch und Norwegisch sind sehr ähnlich. Ist es deswegen auch einfach als Däne in den anderen skandinavischen Ländern Rollen zu bekommen? Wie schätzt du die Kooperation der Länder ein?

Es gibt immer eine schwedische Person in jedem dänischen Film! Oft wird der Film von da aus auch finanziert. Dänische Filme sind sehr gut darin gute Kooperationen in Sachen Finanzierung auf die Beine zu stellen. Und in fast jedem dänischen Film ist der Hauptcharakter mit einer schwedischen Person verheiratet, so einfach ist das. In Skandinavien sprechen wir irgendwie alle die gleiche Sprache, deswegen ist es einfach, auch in den anderen Ländern in Filmen mitzuspielen. Ich würde am liebsten Filme auf der ganzen Welt drehen, sofern ich die Möglichkeit hätte.

Wenn du irgendeine andere Sprache wählen und die fließend sprechen könntest, ohne dafür zu lernen, welche würdest du wählen?

Gute Frage! Also zum Schauspielern oder nur weil es schön klingt? Ich habe schon immer was für Spanisch übrig gehabt, und das auch fast gelernt. Die sprechen das an vielen so schönen Orten der Welt, sowie Südamerika. Dann könnte ich da einfach rumlaufen und mit allen quatschen. Ich liebe außerdem Guillermo del Toro’s Filme, zum Beispiel „El Orfanato“ – hätte ich Teil davon sein können, hätte ich meiner Karriere direkt ein grandioses Ende setzen können. So nach dem Motto, das war das Höchste der Gefühle, besser kann es nicht mehr werden.

Wenn du ein Ding an der Welt ändern könntest, was wäre das?

Das ist eine große Frage. In der Schlange stehen. Ich hasse es, in der Schlange zu stehen. (lacht) Das ist nicht eine der Fragen, auf die man sich vorbereitet. Offensichtlich könnte ich die typische „Miss Universe“-Antwort geben und sagen, ich würde Hass von der Welt entfernen, weil das wäre doch gut. Obwohl eigentlich würde ich lieber Gier entfernen. Das wäre hilfreicher.

Hast du einen Lieblingsfilm?

Der Pate.

Wusstest du schon immer, dass du gerne Schauspieler werden würdest?

Erst als ich zur Schauspielschule ging. Erst war da natürlich die Aufnahmeprüfung, ich hab’s einfach gemacht, um zu sehen, wie weit ich komme. Es war nie wirklich ein Traum von mir, ich bin einfach hingegangen und habe eine Menge geübt. Ich wollte es richtig gut machen. Aber ich wusste nicht, ob ich überhaupt eine Chance hatte oder eben gut genug war. Bei der Prüfung haben die mit mir improvisiert und gesagt: „Mache es nicht so, wir wollen etwas anderes versuchen.“ Zuerst fühlte sich das so an, als ob ich gerade etwas falsch mache, weil ich das ja nicht vorbereitet hatte. Aber es war einfach schauspielern. Da stellte ich fest, dass es eigentlich genau das war, was mir Spaß machte. Das wollte ich machen. Und dann wurde ich auch angenommen.

Für die Zukunft, gibt es eine Art der Schauspielerei, die du am liebsten verfolgen würdest? Film, Fernsehen oder Theater?

Das ist eine sehr deutsche Frage. In Deutschland teilt ihr immer alles auf, Schauspieler müssen sich entscheiden. In Dänemark will jeder Schauspieler alles machen, wir entscheiden nicht. Ich hab das Gefühl, dass ich ein besserer Schauspieler in Filmen bin, wenn ich auch Theater spiele und andersrum. Und dann wäre es auch interessant, mal was im dänischen Fernsehen zu spielen.

Ninja Nora

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Autor at Serien Ninja
Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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