Im Interview: Moe Dunford (Irland)

Psychische Krankheiten werden heutzutage immer noch stigmatisiert. Das versucht der irische Film „St. Patrick’s Day“ zu verändern. Moe Dunford spielt darin eine bedeutende Rolle. Beim diesjährigen „Berlinale – Shooting Stars Programm 2015“ durfte er in Berlin sein Heimatland repräsentieren. Neben dem Filmgeschäft kennt man Dunford vor allem aus Serien wie „Vikings“ oder durch seine Minirolle in „Game of Thrones“. Wir sprachen mit ihm über seine Zeit in Berlin, Serien und prägende filmische Erlebnisse seiner Jugend.

Wie ist es dir bisher in Berlin ergangen?

Oh, für Berlin muss man sich einfach Zeit nehmen. Eine wunderbare Stadt, oder nicht? Echt unglaublich. So viel Leben, so viel Energie. Vielleicht werde ich morgen ein bisschen auf eigene Faust losziehen und die Stadt erkunden. Wir müssen ja nur noch unseren Preis abholen, der wird uns von Natalie Portman verliehen. Da werde ich sicher rot, wie ein Mädchen im Teenageralter auf einem Westlife-Konzert. Ich hätte sie einmal schon fast dieses Jahr getroffen, hab mich aber nicht getraut, sie anzusprechen. Sie ist ein großes Vorbild von mir, seit „Leon der Profi“. Ich hab ihre Filme damals im Pub in Cork geschaut, wo ich aufgewachsen bin. „Leon“ hat mich vom Hocker gehauen. Ich weiß gar nicht mehr, wie alt ich damals war. Vielleicht ein bisschen jünger als sie. Dort liefen eigentlich eine Menge alte Filme, für die ich noch zu jung war.

Hast du einen Lieblingsfilm, von den Filmen damals im Pub in Cork oder von heute?

Naja, das ändert sich immer. Von Jahr zu Jahr, Tag zu Tag. „Boyhood“ habe ich geliebt. Der Film hat sich realer als der durchschnittliche Film heutzutage angefühlt. Die wachsen vor deinen Augen auf, das anzuschauen ist einfach unglaublich. Ein wunderbarer Film. Und damals im Pub hat mich „Walkabout“ von Nicholas Roeg fasziniert. Den hab ich auch gesehen, als ich noch sehr jung war. Das hat einfach so einen Eindruck bei mir hinterlassen, besonders der Charakter des Aborigines, wenn er sein Namengebungsritual macht, oder den Paarungstanz. Ich und mein bester Freund, der bei mir übernachtet hatte, wir haben uns den angeschaut. Zwei sechs Jahre alte Jungs, wir dachten beide: „Was schauen wir uns eigentlich hier an?!“ Sowas hatten wir noch nie in Cork gesehen. So einfach kann ein Film einem neue Erfahrungen bringen. Besonders Filme aus fremden Ländern.

Erzähl uns was über deinen Film »St. Patrick`s Day«?

„St. Patrick’s Day“ kam kürzlich in Dublin raus. Der hat richtig Aufmerksamkeit erregt. Das wollten wir auch. Der Film erzählt die Geschichte eines Jungen, der sich verliebt. Seine Mutter versucht die Beziehung in die Brüche zu treiben. Er hat auch ein paar psychische Probleme, die sie versucht gegen ihn zu verwenden. Der Film handelt von Stigmen, die psychische Störungen hervorrufen und das eine jede Person ein Recht auf persönliche Intimität hat. Ich glaube, es ist sehr wichtig in Irland darüber zu sprechen. Denn in unserer Kultur gibt es eine Menge junge Männer und Frauen die Selbstmord begehen, weil sie unterdrückt werden und nie darüber sprechen dürfen. Viele fühlen sich abgekapselt. Die wichtigste Botschaft des Film ist es, sich gegenseitig zu helfen und sich zu öffnen. Wenn man sich komplett abwendet, das bringt erst recht Probleme. Wenn man aber die mutige Entscheidung trifft, etwas zu sagen und sich zu öffnen, dann wird alles besser. Davon handelt „St. Patrick’s Day“. Nachdem ich eine Zeit lang nicht gearbeitet habe, keinen Job hatte und nach neuen Möglichkeiten suchte, war es natürlich eine einmalige Chance, hier nach Deutschland zu kommen, mein Land zu repräsentieren und dann „St. Patrick’s Day“ vorzustellen, eine große Ehre. Eine Menge irische und internationale Schauspieler waren bereits hier, ich bin echt stolz.

Bei „Game of Thrones“ und „Vikings“ hast du aber auch gemacht. Wie war die Arbeit dort?

Bei „Game of Thrones“ war ich lediglich ein besonderer Statist, „Vikings“ ist eine bessere Rolle. TV als Medium ist jetzt auf einer Stufe mit Filmen. Ich lehne mich so weit aus dem Fenster und behaupte, dass Fernsehserien oft besser als Filme sind. Serien wie „True Detective“. Man lernt die Charaktere über acht Episoden kennen. Ich will von denen gar nicht Abschied nehmen, deren Geschichte ist zwar irgendwann zuende, aber man gewöhnt sich so an die Figuren, an ihren Alltag. Wie Walter White in „Breaking Bad“ sein Leben lebt. Oder in „House of Cards“, ich hab am Bildschirm geklebt. Als Schauspieler ist es toll, dass Fernsehserien so weit gekommen sind, denn es sorgt für langfristigere Jobs. Ich meine, die Arbeit für „St. Patrick’s Day“ hat nur 16 Tage gedauert. Bei „Vikings“ dachte ich, dass es nur zwei Tage dauern würde, aber jetzt sind daraus schon ein paar Jahre geworden, jetzt ist es mein drittes Jahr. Im April kommt Staffel 4 raus. Ich denke, die Serie ist einfach sehr gut geschrieben. Es spielt zwar nicht in der Jetztzeit, aber es sind reale Geschichten.

Was ist das schwierigste an der Schauspielszene in Irland?

Ich bin ein kleiner Fisch in einem kleinen Teich. Seinen Namen bekannt zu machen, ist ziemlich schwierig. Leute, die kein finanzielles Polster haben, die sich ziemlich abgefuckt. Man muss einfach immer weitermachen. Ich glaube wirklich, dass es in Irland immer die richtige Person gibt, die mit dir auch arbeiten will. Einfach rausgehen, die Person finden und mit ihr sprechen. Das ist der richtige Weg.

Könntest du dich zwischen Film, Theater und Fernsehen für eine schauspielerische Disziplin entscheiden?

Nein, ich will einfach nur Geschichten erzählen. Ich bin mit Filmen aufgewachsen, davon inspiriert worden. Ich hab die Kunst des Theaterspielens gelernt. Ich bin bei einer Fernsehserie dabei. Wenn es eine Geschichte ist, die erzählt werden muss, dann ist mir das Format egal, dann stürze ich mich liebend gerne in die Arbeit.

Ninja Nora

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Autor at Serien Ninja
Die Seriensucht hat für Nora mit Buffy, Charmed und The O.C. angefangen. Damals noch deutsch synchronisiert, heute nur noch im englischen Original. Was für eine Generation davor die alten Star Wars Filme bedeuten, ist für sie die Lord of the Rings-Trilogie. Wählt ihre Serien gerne anhand von geliebten SchauspielerInnen aus. Zur Zeit gehören "Game of Thrones" und "The Originals" zu ihren Favoriten.
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