Ist Filmjournalismus als Beruf am Ende?

In der Online-Filmbranche weht ein neuer Wind: Wer braucht noch kritische Redakteure, wenn er doch glühende Fans haben kann? Ist dieser Trend der Start eines goldenen Fandom-Zeitalters? Oder das Grab einer ganzen Branche?

UPDATE: Tobias Bauckhage hat in einem Kommentar noch einmal seine Sichtweise dargelegt und einige gute Punkte angesprochen. Lest seine Replik (und wiederum meine Reaktion darauf) unten in den Kommentaren. Wir freuen uns natürlich auch über weitere Beiträge! Also haut in die Tasten!

Viele Gedanken, die in diesem Text aufgeführt werden, schlummern bereits seit längerem in meinem Kopf herum. Ich will aber direkt zu dem Ereignis kommen, welches letztlich der Auslöser war, diese verschiedenen Gedanken einmal zu bündeln und konkret zu machen.
Vergangene Woche veröffentlichte Tobias Bauckhage, Gründer und CEO von Moviepilot.com einen Artikel auf eben jener Plattform mit dem Titel „Why We Are Empowering Fans to Become Content Creators“.

(c)Moviepilot.com

(c)Moviepilot.com

Darin wagt Bauckhage einen abenteuerlichen Vergleich zwischen seiner Content-Vision und den Erlebnissen des jungen Autoren und Filmemachers Cameron Crowe, die Crowe später in dem Film Almost Famous verarbeitet hat. Um es knapp zusammenzufassen: Bauckhage möchte auf Moviepilot.com keinen kritischen Journalismus der alten Garde mehr haben. Er will die Fans regieren lassen. Sie sollen die Plattform inhaltlich bestimmen, antreiben, andere Fans begeistern. Wie der Autor es selbst formuliert:

„Today’s young fans, the coveted demographic that drives the movie business right now, are tired of snark. They’re tired of cynicism and rampant negativity. When they share things on social media, it’s because it’s something they like, that they find funny, cool, or engaging, something they’re passionate about.“
[…]
„Because fans aren’t just the future – fans are the right now. And among them there are some talented writers, true diamonds in the rough. It’s our goal at Moviepilot to identify and develop these creators and help them to become some of the greatest influences of their generation.“

Klingt doch erstmal super, oder? Schluss mit verbittertem Elfenbein-Journalismus, ab jetzt machen die coolen Kids ihr Programm selbst!
Doch wenn man sich diese Ansagen einmal auf den Hirnlappen zergehen lässt, wird schnell klar, dass sich dahinter eine ziemlich kalte Geschäftsstrategie verbirgt, die letzten Endes eine Kampfansage an und ein Faustschlag ins Gesicht aller professionellen Texter und Journalisten ist. Und die langsam aber sicher eine ganze Branche erodiert.

An dieser Stelle ein Zwischenruf, um Missverständnisse zu vermeiden: Dieser Text soll kein Hit-Piece auf Tobias Bauckhage sein. Er hat mit Moviepilot, beziehungsweise dem Konzept, das dahintersteckt, viel erreicht, sehr viel sogar. Bauckhage hat früh das Potential von Social-Media und Big Data erkannt, gerade was das Thema Film und Film-Marketing angeht. Dementsprechend konsequent haben er und sein Team gehandelt und der Erfolg gibt ihnen Recht. Aus einem kleinen Berliner Start-Up haben sie eine der größten Filmplattformen im deutschen Netz und diese schließlich clever zu Geld gemacht.
Die Kohle wurde offensichtlich auch vernünftig re-investiert, denn mittlerweile fährt die internationale Version Moviepilot.com in den USA mehr Klicks ein, als die alterwürdige Internet Movie Database (ohne die vermutlich die Online-Filmszene gar nicht vorstellbar wäre). Für diese Leistung haben Tobias Bauckhage und seine Mitstreiter Jon Handschin und Ben Kubota meinen aufrichtigen Respekt.
Mit Sicherheit haben Bauckhage & Team hier mehr Weitsicht und Ehrgeiz bewiesen, als viele andere deutsche Gründer. Das soll ihnen erstmal jemand nachmachen. Auch persönlich waren sie mir, so wie ich sie im Rahmen eines Praktikums bei Moviepilot kennengelernt habe, was allerdings bereits einige Jahre her ist, nie unsympathisch.

Auch ist mir bewusst, dass Tobias Bauckhage nicht mehr der Geschäftsführer des deutschen Moviepilot ist. Inwiefern (und ob überhaupt) dieses strategische Prinzip bei Moviepilot.de zum Einsatz kommt, kann ich nicht beurteilen.

Aber Nettigkeiten beiseite, Bauckhage ist kein kleiner Deutscher Start-Up Unternehmer mehr – seine Ansagen haben Gewicht. Und wenn man so einen Text raushaut, darf man damit rechnen, dass sich jemand damit kritisch auseinandersetzt. Auch wenn Tobias Bauckhage, folgt man der Logik seiner Strategie, wohl offensichtlich gerade davon kein besonders großer Fan ist.

Wir sind jetzt alle ganz besondere, unbezahlte Schneeflocken

Setzen wir uns noch ein wenig mit Bauckhages Ausführungen und Vergleichen auseinander, ich zitiere:

„The parallels between Crowe’s story and what we aim to do for our fans at Moviepilot are many. The difference is, we don’t want just one of our fans to have this opportunity – we want many of our fans to have this opportunity. Just as Rolling Stone once did, we want to discover the passionate fans of a new generation and then give them a platform to let their voices be heard. We want to support and develop the greatest writers among our readers to become influential voices in entertainment and pop culture.“

Es mögen tatsächlich gewisse Parallelen zwischen der Strategie des damaligen Rolling Stone und dem heutigen Moviepilot.com bestehen, das möchte ich gar nicht vollständig abstreiten. Es gibt aber mindestens einen monströsen Unterschied, den Tobias Bauckhage in seinem großspurigen Vergleich natürlich unerwähnt lässt: Cameron Crowe mag ein Anfänger, ein Outsider, ein Fan gewesen sein. Trotzdem wurde er für die Artikel, die er für den Rolling Stone schrieb, als Journalist behandelt und dementsprechend auch bezahlt. So mit Geld. Ganz altmodisch.
Plant denn Moviepilot.com die Menschen, die künftig in ihrem Auftrag Artikel schreiben, Interviews führen und Inhalte produzieren sollen, auch dafür zu bezahlen? Das wage ich doch stark zu bezweifeln. Und klar, das sind ja auch keine Profis, warum sollte man dann auch? Auf eine Filmpremiere zu gehen oder deinen Lieblingsstar zu treffen ist doch schließlich mehr als Lohn genug, oder? Und ein 16jähriger, der zuvor vielleicht gerade mal einen Schulaufsatz verfasst hat, kann auch schlecht Bezahlung erwarten.
Auch wenn er diese Frage in seinem Artikel natürlich nicht ausspricht, muss sie Tobias Bauckhage doch schon lange alleine aus ökonomischen Gründen im Kopf herumschwirren: „Warum bezahlen wir eigentlich Leute dafür, für uns Inhalte zu produzieren, wenn es doch da draußen tausende von Menschen gibt, die das auch jubelnd umsonst tun würden?“

Für Cameron Crowe waren seine Rolling Stone-Arbeiten der Grundstein hin zu einer professionellen, will sagen, finanziell entlohnten Karriere. Von dieser Wirkungsweise kann bei Moviepilot.com keine Rede sein. Es ist äußerst scheinheilig so zu tun, als würde hier eine Art Nachwuchsförderung betrieben, wenn damit gleichzeitig dem ganzen Berufsstand das Wasser abgegraben wird. Es kann gut sein, dass eifrige Moviepilot-Leser durch ihre Artikelschreiberei dazu inspiriert werden, Filmjournalisten werden zu wollen. Nur leider werden sie dann feststellen, dass sie selbst durch ihre Fingerübungen diesen Beruf abgeschafft haben.

Es geht nicht um authentische Meinung, es geht um Vermarktung

Bauckhage setzt hier keinen Trend. Er folgt ihm nur besonders eifrig. Und aus seiner Sicht ist das absolut nachvollziehbar. Denn unkritische Fanberichterstattung hat nicht nur den Vorteil, dass sie nichts kostet. O-Ton Bauckhage:

„There are a lot of similarities between the state of movie journalism today and the music journalism of the 60s and 70s. Just as many entertainment journalists are jaded with the direction in which Hollywood is going now, old-school music writers of a few decades ago hated the new era of classic rock music and were reluctant to cover those bands. On the occasions they did cover them, those veteran journalists were so cynical in their reviews that those bands ended up hating Rolling Stone and refusing to work with the magazine.“

Moviepilot.com berichtet nicht nur über Filme und die Filmindustrie, es vermarktet sie auch in Zusammenarbeit mit den Filmstudios. Und die reiben sich natürlich freudestrahlend die Hände angesichts dieser Pläne. Keine Journalisten mehr, die im Zweifelsfall kritische Filmreviews schreiben oder in Interviews unbequeme Fragen stellen. Stattdessen stete Begeisterung, Beifall zu allem und jubelnde Teenager, die alles erstmal megaawesome finden. „Genial, machen wir beim nächsten Teil von HungerGamesDivergentHarryPotterStarWars gleich wieder so!“ Moviepilot.com will der Lieferant für die blökende Masse werden, die Mainstream-Hollywood so gerne herangekarrt haben möchte.

Nun, Herr Bauckhage, wer sind denn jetzt in obigen Vergleich die „Bands“ für Moviepilot.com? Die gigantischen Filmstudios, die möglichst jubelnde Berichterstattung und Vermarktung für ihre 300 Mio-Blockbuster a’la Transformers 4 haben wollen? Stimmt, diesen hochkreativen Köpfen ist von der schimpfenden Online-Journaille in den letzten Jahren wirklich übel mitgespielt worden! Eine ironische Runde Mitleid. Aber klar, die kritische Distanz kann ja auch nicht gegeben sein, wenn man für Werbung bezahlt werden will.

Trotzdem: Hier die aktuelle Hollywood-Maschine und ihre Fließbandproduktionen als visionär zu stilisieren, die von den Schreiberlingen einfach nicht richtig wertgeschätzt werden, ist schon ziemlich dreist. Und die pubertäre Begeisterung von Fans als neue Form des Journalismus zu verkaufen, ist es noch viel mehr.
Für die Redakteure ist das natürlich ebenfalls ein doppelter Schlag: Reich ist man als Filmjournalist noch nie geworden. Aber ein Aspekt, der diesen Job eben trotz der Widrigkeiten attraktiv gemacht hat, war, dass er unter Umständen tolle Möglichkeiten bot. Reisen in andere Länder für Interviews und Set-Besuche, Treffen mit Stars und Idolen, Einladungen zu Premieren und Partys und das Gefühl, ein Teil dieses glamourösen Filmbusiness zu sein. Viele Leute wollen genau deshalb Filmjournalisten werden. Welchen Ansporn haben die noch, wenn diese Chancen jetzt an den Fan gehen, der am lautesten schreien kann? Der Journalist, bzw. Redakteur verkommt dabei zum reinen Content-Manager, der nur noch dafür sorgt, dass der inhaltliche Fanrotz möglichst optimiert auf der Seite eingebaut wird. Das ist ungefähr so spannend, wie im Finanzamt im Büro zu sitzen. Nur schlechter bezahlt. Tolle Perspektive!

Keine Demokratie, sondern Herrschaft des Pöbels

Letztlich sagt Bauckhage eines: Schreiben kann doch jeder. Und ob er das gut kann oder nicht, ist im Zweifelsfall gar nicht so wichtig. Hauptsache, er hat die richtige Grundhaltung. Über Star Wars sollten nur Leute schreiben, die Star Wars an sich super finden. Und dann im besten Falle auch möglichst alles, was in diesem Zusammenhang passiert, lautmöglichst und mit voller Begeisterung präsentieren. Jedes neue Bild ist mega-aufregend, jede Casting-Meldung ein Riesenschock, jeder Trailer mindblowingly awesome. Um mal einen anderen Musikfilm zu zitieren: „Let’s turn this to 11! All the time!“

Denn es liest ja sowieso keiner mehr so richtig. Die Leute werden durch reißerische (und oft irreführende) Headlines gelockt, scannen im lahm geschriebenen, aufgeblähten Fülltext schnell die Infos und wandern dann gleich hinunter zu den Kommentaren, um ihre eigene Meinung abzufeuern. Wenn ich für jeden Kommentar unter einem Artikel, bei dem ich mir gedacht habe: „Du hast den Inhalt hier doch gar nicht gelesen, oder?“ einen Cent kriegen würde, ich könnte morgen in Rente gehen. Und das wird sicher jeder, der online schreibt und publiziert, bestätigen.
Der Content ist also egal, es zählt nur noch der Kontext. Und der soll bei Moviepilot.com offenbar sein: Wir finden alles erstmal spitze. Und wie es der Moviepilot-CEO selbst ausführt und Zahlen belegen: In den sozialen Netzwerken funktionieren nur positive Nachrichten. Man „liked“ logischerweise nicht, was einem nicht gefällt. Und deswegen soll man das, was einem nicht gefällt, besser gar nicht erst sehen.

Das Prinzip, das Tobias Bauckhage als innovativ und vor allem demokratisch verkauft, ist das Gegenteil davon. Es ist gleichmachend, ökonomisch orientiert und unterwirft den einzelnen dem Massengeschmack. Du darfst nur schreiben, wenn Du weiter fanwichsen kannst, als die anderen! Und wehe Du triffst nicht den größten gemeinsamen Nenner, dann bist Du raus. Abseitige, kontroverse, unpopuläre Meinung unerwünscht. Denn das gefällt den „wahren“ Fans (und viel wichtiger: den Werbekunden) gar nicht.
Ein essentielles Grundprinzip von Demokratie ist Widerspruch. Diese Scheiße hier ist das genaue Gegenteil. Tobias Bauckhage vergleicht sich gerne mit den Chefs des Rolling Stone. Ich habe hier einen filmischen Vergleich, den er wohl weniger schmeichelhaft finden wird, den ich mir aber nicht verkneifen kann. Er fasst im Grunde in einem Satz zusammen, was ich die letzten zwei Absätze versucht habe, auszuführen:

The Incredibles (c)Disney/Pixar

The Incredibles (c)Disney/Pixar

Was kümmert mich Dein Talent?

An dieser Stelle würde ich gerne die Frage an die Allgemeinheit richten: Wollen wir das eigentlich? Denn es kann ja durchaus sein, dass Tobias Bauckhage hier den richtigen Riecher hat. Das hochwertiger Content, aber vor allem auch die Bereitschaft, nicht immer alles aus einer Fan-Perspektive zu sehen, keinen Wert und bezahlte, professionelle Filmjournalist auch beim Leser keine Unterstützung mehr hat.

Ich kann das nur für mich persönlich beantworten und muss sagen: Ich fühle mich in meinen „Fan-Dasein“ durch dieses Prinzip eben nicht bestätigt. Stattdessen ermüdet mich es mittlerweile nur noch.
Ich bin ein großes Marvel-Fan, ich liebe Star Wars, ich bin treuer und überzeugter Trekkie bis ans Lebensende, ich verehre Game of Thrones. Aber ich kann die Berichterstattung zu diesen Dingen mittlerweile nur noch schwer genießen. Denn alles wird mir marktschreierisch angepriesen, als unglaublich, als noch awesomer als die letzte News, die ja auch schon ultraawesome war. Du wirst nicht glauben, was wir herausgefunden haben! Ich war so schockiert, ich musste erstmal mein ganzes Leben ändern, nachdem ich diese HungerGames-Castingmeldung gelesen habe! Das, was Jennifer Lawrence wieder getrieben hat, ist wirklich unfuckingbelievable! Man kann über diese Meldungen nicht einmal ordentlich Witze machen, sie sind bereits ihre eigene Parodie.

Gleichzeitig weiß ich auch, dass diese Meldungen von mehr schlecht als recht bezahlten Nachwuchstextern um die Anfang bis Mitte 20 geschrieben werden, die diesen Job gerade mal seit ein paar Wochen/Monaten machen und dementsprechend wenig Expertise mitbringen, sowohl im Inhalt, als auch im Ausdruck. Oder ist es egal, wenn man so tut, als wäre man ein totaler Marvel-Geek, obwohl man noch nie einen Comic angefasst hat? Kann man ja schließlich alles auf der Wikipedia nachgooglen, muss man ja nicht wirklich kennen.

Wie lange kann dieses Prinzip noch greifen, bevor wir uns sämtliche Begeisterungsnerven verödet haben? Wie ja oben schon gesagt: Wenn alles awesome ist, ist bald nichts mehr awesome, sondern alles beliebig. Und ich glaube, dass man den Hype-Ballon nur bis zu einem Punkt aufpumpen kann, bevor er überstrapaziert platzt und allen einfach alles egal wird.

Die Problematik geht aber noch weiter: Denn diese Aufsplittung in immer isoliertere Untergruppen schädigt unsere Gesellschaft. Wir ziehen Menschen heran, die keinen Widerspruch mehr kennen. Die nur noch bestätigt werden wollen. Die sich von anderen Ansichten persönlich angegriffen fühlen und sich in Denkblasen ihre eigene Realität zusammenträumen. Das ist nicht die Verwirklichung echter Meinungspluralität, es ist ihre Abschaffung. Und das ist gesellschaftlich und politisch brandgefährlich. Natürlich verursacht Moviepilot.com jetzt nicht den Untergang unserer westlichen Zivilgesellschaft, soweit soll das Fass nun auch nicht aufgemacht werden. Aber es hilft mit seiner Haltung eben auch nicht. Diese Bemerkung muss erlaubt sein.

Wunschzettel eines müden Fans:

Ich wünsche Bauckhage und seinen Moviepilot-Vorhaben alles Gute. Das tue ich wirklich. Trotzdem wünsche ich mir noch mehr, dass er erkennt, wie schädlich das Prinzip ist, welches er hier verfolgt, er damit scheitert, möglichst niemanden inspiert, es ihm nachzutun und hier wieder ein Umdenken stattfindet. Weg von einem algorithmengetriebenen Fan-Befriedigungsapparat, hin zu mehr Möglichkeiten für echte, spannende Talente, sich kreativ zu entfalten und sich mit dem Thema Film auseinanderzusetzen. Und das auch in Vollzeit, beruflich, vernünftig entlohnt. Zumindest soll der Fan und der kritische Redakteur nebeneinander existieren dürfen. Der eine sollte nicht den anderen ersetzen und sie sollten auch keine Konkurrenten sein.
Das wünsche ich mir nicht als jemand, der selbst einer dieser Menschen sein möchte. Ich wünsche es mir als Leser, als Konsument und auch als Fan. Aber damit da ein Umdenken stattfindet, müssen eben diese Leser, User, Fans, Konsumenten selbst zeigen, dass ein interessante Meinung, eine spannende Schreibe und eine kritische Haltung letzten Endes doch mehr wert ist, als eine durch ein Programm zusammengerechnete Gruppe von Menschen mit der gleichen Meinung. Sollte dieser Text auch nur einen dazu inspirieren, diese Dinge mehr zu schätzen, hat er für mich seinen Zweck erfüllt.

Ninja Philipp

Ninja Philipp

Redakteur at Serien Ninja
Wo immer etwas über einen Bildschirm flimmert, ist Philipp nicht weit! Wahrscheinlich kommt das daher, dass er in seiner Kindheit nicht viel fernsehen durfte. Das kommt davon, liebe Eltern! Heute konsumiert er mit Vorliebe alles, was mit Science-Fiction, Superhelden, Zombies, fiktionalen Königreichen, Robotern, Römern oder zwischenmenschlichen Problemen zu tun hat. Krimis findet er jetzt nicht so spannend, interessante Dokumentationen dafür umso mehr.
Ninja Philipp

@konsumkind

35 | Fels in Brandenburg | Hier ist nicht mal mir zum Lachen
RT @TilhemWell: @HerrPanTau "Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne zahle." h… - 6 Stunden ago

Ninja Philipp

Wo immer etwas über einen Bildschirm flimmert, ist Philipp nicht weit! Wahrscheinlich kommt das daher, dass er in seiner Kindheit nicht viel fernsehen durfte. Das kommt davon, liebe Eltern! Heute konsumiert er mit Vorliebe alles, was mit Science-Fiction, Superhelden, Zombies, fiktionalen Königreichen, Robotern, Römern oder zwischenmenschlichen Problemen zu tun hat. Krimis findet er jetzt nicht so spannend, interessante Dokumentationen dafür umso mehr.

11 Comments

  • Antworten November 26, 2014

    Axel

    Schöne Kolumne! Steht viel Wahres drin. Diese ganze „Wir finden alles toll“-Bewegung lässt sich mit einem schönen neuen Begriff zusammenfassen: „Poptimismus“

    Ich bin mal so frech und lasse einen Link da, weil ich vor ein paar Monaten selbst darüber geschrieben habe: http://www.serienjunkies.de/news/axelzucken-1×15-poptimismus-kulturelle-konversation-61932.html

    • Antworten November 26, 2014

      Ninja Phil

      Vielen Dank, Axel. Klar, Du bist ein Experte, was die „Fan-Frage“ angeht. Hast Dich genug mit wütenden Blacklist-Fans rumschlagen müssen. 😉
      Der Poptimismus ist natürlich ein wichtiger Aspekt, er ist aber auch nur ein Teil davon. Neben der Frage, ob man fürs Schreiben über Film & TV in Zukunft noch erwarten kann, bezahlt zu werden. Und ich sehe dafür komplett schwarz, sollten sich die Bauckhages dieser Welt durchsetzen.

  • […] freue mich, dass Philipp von Serien Ninja den Mut – ja, den Mut! – gezeigt hat, sich ebenfalls kritisch mit den Entwicklungen im Filmjournalismus auseinanderzusetzen. Deshalb möchte ich mich nicht auf einen knappen Facebook- oder Blog-Kommentar beschränken, […]

  • Antworten November 27, 2014

    Tobi Bauckhage

    Lieber Philipp,
    vielen Dank für Deine intensive Auseinandersetzung mit meinem Artikel. Wir haben offensichtlich sehr unterschiedliche Auffassungen zu dem Thema. Trotzdem ein paar Anmerkungen. Dabei spreche ich einzig von moviepilot.com, denn auch darauf bezog sich mein Artikel.

    Dein angeblich „monströse Unterschied“ in meinem „großspurigen Vergleich“, dass Cameron Crowe für seinen Fanjournalismus bezahlt wurde und die Contributors bei Moviepilot.com eben nicht, ist Unsinn. Wir haben aktuell rund 3000 sogenannte Contributors, die unsere Platform nutzen. Nur ein Bruchteil davon hat journalistische Ambitionen. Aber jeder einzelne davon ist ein Fan mit dem Bedürfnis, sich auszudrücken. Und darum geht es zunächst einmal. Etwa 500 ausgewählte Contributors unterstützen wir monatlich durch die Vermittlung von Presse-Screenings, Interviewmöglichkeiten, Q&A Sessions, Red-Carpet-Tickets, etc. Und etwa 10 von ihnen schreiben so regelmäßig, gut und erfolgreich auf der Plattform, dass wir sie für ihre Beiträge bezahlen. Dazu haben wir noch mal 15 bezahlte Journalisten als fest angestellte Redakteure. Im Moment bezahlen wir also rund 25 Redakteure und Texter.

    Die Plattform selbst ist jedem zugänglich, jeder kann sich dort hoch schreiben und auf Basis seiner Leistung auch bezahlt werden. Das ist ein aus meiner Sicht ein deutlich offeneres System für den journalistischen Nachwuchs als was traditionelle Medien für junge Leute bereit halten. Zur Zeit ist diese Mechanik noch nicht transparent auf der Platform ersichtlich, wenn die Zeit reif ist, und wir die genauen Regeln der monetären Kompensation ausgearbeitet haben, werden wir das auch offen vertreten.

    Ein Wort zum Status Quo des Filmjournalismus in Deutschland: ist es wirklich Dein Ernst, was Du in deinem Artikel schreibst? Das die „blökende Masse“ einen Berufsstand gefährdet? Aus meiner Sicht gibt es im traditionellen Filmjournalismus seit Jahren kompletten Stillstand. Das deutsche Feuilleton, das Radio und die Öffentlich-Rechtlichen haben schon vor Jahren die Zugbrücken hinter sich hochgezogen und dort arbeitet kein Redakteur mehr unter 40. Mainstream-Popkultur wird dort im wesentlichen mit gerümpfter Nase, mit reichlich Vorurteilen und spitzen Fingern angefasst. Und dort findest Du auch keinen einzigen Marvel-Fan.

    Mein Eindruck ist eher, dass man dort die vermeintliche Hochkultur feiert und sich durch die fehlende Neugier, das fehlende Interesse an der Popkultur da draußen zunehmend selbst überflüssig macht. Das gleiche gilt fürs Fernsehen und fürs Radio. Online ist in Deutschland der einzige Ort, an dem es eine jüngere, frischere Auseinandersetzung mit Film gibt. Leider liest sich dein Artikel so, als ob es jetzt auch im Online-Filmjournalismus zunehmenden Dünkel gibt. Schade, denn moviepilot.de war schon immer der Versuch, die Stimme des Fans – sei es kritisch oder euphorisch – in das Zentrum zu setzen, und nicht den Kritiker. Dass du diese Menschen jetzt als “blökende Masse” bezeichnest finde ich ganz schön übel und herablassend. Moviepilot.com ist nichts weiter als die logische Weiterentwicklung von moviepilot.de: die Meinung der Fans ins Zentrum zu stellen.

    Hast Du „Almost Famous“ überhaupt gesehen? Darin geht es ständig um die Gefahr, durch zu starke Nähe zur Band oder zu ihrem Label (und das damit auch damals verbundende Big Business), nicht die eigene Objektivität und das eigene Urteilsvermögen zu verlieren. Aber es geht eben auch darum, dass ein kritischer Fan das Wissen, die Leidenschaft und das Verständnis für ein Popkultur-Phänomen mitbringt, um eine Aufmachergeschichte für das Rolling Stone zu schreiben, bei der es wirklich um etwas geht. Darum geht es uns bei Moviepilot.com – und nicht um eine möglichst unkritische Jubellaune, die sich gut vermarkten lässt. Das wäre uns ehrlich gesagt wirklich nicht ambitioniert genug und das würdest Du auch wissen, wenn Du Jon, Ben und mich besser kennen würdest. Aber wir haben – und da liegt Dein Artikel absolut richtig – keinen Bock auf den ewig gleichen, uninspirierten, überheblichen, zynischen Kritikerton, für den nichts mehr toll, nichts mehr neu und alles schon mal da gewesen ist.

    Ich wiederhole noch mal mein zentrales Zitat aus dem Film: “The only true currency in this bankrupt world is what you share with someone else when you’re uncool.” Das ist das zentrale Thema, um die Balance zwischen Fantum und Journalismus zu finden. Aber auch die Balance zwischen Leidenschaft für die Sache und einer falschen Eitelkeit gegenüber dem eigenen, idealisierten Berufsbild als Kritiker.

    “Inhaltlicher Fanrotz”? Meinst Du das wirklich ernst? Bei uns erscheinen 1000 bis 2000 Artikel pro Woche. Natürlich ist nicht alles davon preisverdächtig. Und natürlich versuchen wir durch Überschriften und Teaser-Texte möglichst viel Traffic auf unsere Inhalte zu bringen. Aber dafür haben wir pro Woche auch etliche Artikel, die absolut außergewöhnlich sind. Und diese Zahl steigt. Dabei entwickeln wir neue Talente und außergewöhnliche Journalisten. Und die werden hoffentlich die alten Filmkritiker, die stumpf, satt, engstirnig, überheblich und uninteressiert geworden sind, ablösen. Darum geht es uns.

    Und im übrigen finde ich Deine Wortwahl “Inhaltlicher Fanrotz” ehrlich gesagt, unausstehlich arrogant.

    • Antworten November 29, 2014

      Ninja Phil

      Lieber Tobias,

      Ich danke Dir für Deine Auseinandersetzung mit dem Thema und Deine Antwort. Ich hoffe Du siehst mir nach, dass ich erst jetzt Zeit finde, angemessen darauf zu antworten.

      Zunächst mal ist es doch schön, ein bisschen mehr Einblick in dieses Contributor-System zu bekommen, das ihr da plant. Warum es nicht gleich so anschaulich erklären, anstatt ein Feindbild aus „zynischen“ Kritikern anzustacheln?
      Wobei ich doch sagen muss, wenn von 3000 Leuten am Ende 10 bezahlt werden, sehe ich das nicht gerade als berufsbildendes Geschäftsmodell. Bei einer Erfolgsaussicht von 0,3 Prozent auf tatsächliche Entlohnung würde ich es mir überlegen, professionell schreiben zu wollen. Und dann haben wir ja auch noch gar nicht über die Höhe dieser
      Entlohnung geredet.

      Reden wir aber doch lieber über „Fans“ und die Polemik meinerseits, die Dich stört: Zunächst mal muss ich Dir nicht erklären, dass man verbal auch ab und zu auf die Kacke hauen muss, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
      Andererseits kaufe ich dir ehrlich gesagt deine Empörung darüber sowenig ab, wie
      ich deinen Newsredakteuren ihre stete immense Begeisterung über jeden News- und Trailerfurz abnehme.

      Das ist es eben einerseits was mich stört: Dieser ständige Jubel, dieses „THIS CHANGES EVERYTHING!“-Gehabe (bitte sag nicht, dass dieser Ton nicht ständig bei euch gebraucht wird) – es wirkt auf mich hochkarätig artifiziell. Ich lese da keine Fan-Begeisterung. Ich lese die Verzweiflung, prinzipiell aus allem mehr machen zu müssen, als es eigentlich ist. Und die Angst, durch jemanden ersetzt werden zu können, der möglicherweise lauter jubeln kann als man selbst.
      Ich bin ein Fan. Ich habe das gegen Ende meines Textes nochmal deutlich geschrieben. Ich liebe den ganzen Geek-Kram. Ich glaube ich habe 1997 angefangen, aintitcool.com zu lesen. Schick mir die größten StarWars-, Marvel-, Trek/GoT-Nerds in Deiner Redaktion vorbei – ich bin sofort zu einem Trivia-Contest bereit. Damit will ich auch nicht, dass ich eine Art „Elitefan“ bin, dessen Wort mehr Gewicht haben sollte, ich will damit nur sagen: Die Feindbilder, die Du
      aufbaust, sind die Falschen.

      Du glaubst ernsthaft euer Kurs schädigt die verstaubten Journalisten des erstarrten öffentlich-rechtlichen Systems? Deren Betten sind doch längst gemacht. Die schieben sich noch gut bis zur Rente an dem Publikum durch, das aufgrund des schrillen Tonfalls im Netz doch schnell panisch das Weite sucht.
      Mit diesem System stehe ich auch selbst auf Kriegsfuß und ich habe das auch schon oft genug laut verkündet. Ich lasse mich also nicht in eine Ecke mit denen stellen. Ich habe nie für diesen Elfenbeinturm-Journalismus gearbeitet und ich denke meine Haltung als „Fan“ ist schon immer ersichtlich in den Dingen, die ich so produziere.

      Wen ihr stattdessen trefft sind die Auftritte und Blogs, die meinen das Rattenrennen um schreierische Headlines, Live-Berichterstattung und Overhyping mitspielen zu müssen, um überhaupt noch Klicks bekommen zu können. Ihr dreht für alle die Lautstärke nach oben und bald schreien wir uns alle gegenseitig so laut an, dass niemand mehr
      irgendetwas hört.

      Wenn Du sagst, dass es euch bei mp.com darum geht, trotz der „starken Nähe zur Band oder zu ihrem Label (und das damit auch damals verbundende Big Business), nicht die eigene Objektivität und das eigene Urteilsvermögen zu verlieren.“, dann muss ich leider sagen: Ich finde nicht, dass euch das besonders gut gelingt,
      sorry.

      Nur, von welcher „Objektivität“ reden wir hier denn eigentlich? Kann Moviepilot.com denn objektiv sein, wenn es doch für die Vermarktung der gleichen Inhalte bezahlt wird, über die es berichtet? Und was qualifiziert jemandem in diesem System als „guten
      Journalisten“?
      Der“Almost Famous“-Vergleich tut Dir da einfach keinen Gefallen. Denn Marvel/Disney ist nicht „Stillwater“. Das eine ist etwas, was entdeckt und gefördert werden muss, wozu tatsächlich mal eine andere „positiv“ gedrehte Perspektive
      nötig war und die eben nicht im Mainstream verankert war. Das andere ist ein Multi-Milliarden-Konzern, der sich die Hände reibt angesichts des populistischen Hype-Dampfkessels, den ihr bereitwillig anschürt. Und der euch, machen wir uns doch nichts vor, auch GENAU DAFÜR BEZAHLT. Oder ist das nicht so?.

      Wo lese ich denn bei moviepilot.com etwas über die Filme, die Aufmerksamkeit wirklich bitter nötig hätten, weil sie keine 50 Millionen Dollar Marketing-Budgets haben, über die sie sich in die Öffentlichkeit einkaufen können? Rufe ich eure Startseite auf, plärrt mich eigentlich nur die stete Soße aus STARWARSHUNGERGAMESPOTTERZOMBIESBATMAN an.
      Klar, es gibt natürlich
      auch Artikel über Randthemen (viele sogar!), aber die schaffen es eben nicht nach
      oben. „Das bestimmen doch die Leute, nicht wir!“ – Kannst Du da entgegnen. Sag ich doch, Herrschaft des Pöbels. Ein Zustand, über den übrigens nicht erst ich, sondern bereits die amerikanischen Gründerväter sehr besorgt waren. Ich sehe mich da in guter Gesellschaft.

      Wie wird man denn bezahlter Contributor? Hängt das wirklich so sehr mit der Textqualität zusammen? Oder macht sich das eher darüber aus, wie gut man mit seiner Haltung ins vermarktbare Konzept passt? Ich frage das nicht scheinheilig. Du darfst es gerne erläutern.

      Du kannst natürlich auch mit den Worten eines großen Philosophen antworten:
      „Don’t hate the playa, hate the game!“
      Mir ist auch klar: Gerade ein Konzern wie Disney fährt doch jetzt klare Kante:
      Die haben ihren Marvel-Kram auf die nächsten 6 Jahre durchgeplant, die haben viel Geld für Star Wars und Pixar bezahlt und jetzt sind die Weichen gestellt und der Zug muss rollen. Spannende Projekte werden gar nicht mehr produziert, die nächsten Jahre gibt es eine stete teure Ernährung aus Comichelden/StarWars/Märchenfilm-Reboots und Remakes – that’s basically it. Manche könnten sagen: Ein wunderbares goldenens
      Geek-Zeitalter. Man könnte aber auch sagen: Kreativer Stillstand und Industriefilmerei.

      Die Meinung habe ich allerdings bei mp.com noch nicht gehört. Und sie ist nicht einmal zwingend meine. Aber wenn ich dafür, dass ich nur diese Frage stelle, mir vorwerfen lassen muss, ein verbitterter, zynischer Elfenbeinturm-Kritiker zu sein, dann seis drum. Mach ruhig.
      Denn klar, Disney will man ja auch nicht zum Feind haben. Als Business-Buddy ist das doch viel angenehmer.

      Gleichzeitig gibt es Fluten von Independent-Produktionen, die auch fernab von
      diesem Nerd-Wahnsinn eine Menge Großartiges bieten. Auf moviepilot.com oder euren FB-Seite werde stattdessen jauchzend darüber informiert, dass Jennifer Lawrence gerade ihren Mund komisch verzogen hat and THIS CHANGES EVERYTHING! (Plus hundert GIFs des Vorfalls).
      Wenn das deine Kampfansage an den verstaubten Filmjournalismus ist, dann gute Nacht. Und wenn Du sagst: „Ich kann doch nix dafür dass sich der Dreck so gut klickt“ sind wir wieder beim Pöbel-Argument.

      Mit Moviepilot.com bist Du dann eben ein Handlanger von Big Business.
      Aber ganz bestimmt kein publizistischer Robin Hood, der es den Reichen nimmt und den Armen gibt. Eher umgekehrt. Und ganz bestimmt auch nicht der Herausgeber des Rolling Stone.

      “The only true currency in this bankrupt world is what you share withsomeone else when you’re uncool.”
      Darauf kann ich nur entgegnen:
      „Does this currency pay my motherfucking rent or bills? Or just yours?“

      • Antworten Dezember 2, 2014

        Tobi Bauckhage

        Lieber Philipp,

        dass du deine zentrale, falsche Behauptung, auf der deine ganze Beschimpfung fußt (dass wir bei Moviepilot keinen Contributor bezahlen) im obigen Text nicht richtig stellst; dass du mir wiederholt, sehr ungenau, persönliche, eitle Vergleiche mit Jann Wenner unterstellst (die ich so nie ziehen würde); dass Du mich rhetorisch als persönliches Feinbild aufbaust („die Bauckhages dieser Welt“), dem es angeblich nur um wirtschaftliche Interessen ginge und der sich nicht im geringsten um Journalismus scherte, ohne mich oder meine Mitgründer jemals selbst dazu befragt zu haben; dass Du uns wirtschaftlich motivierte Zensur und inhaltliche Kontrolle vorwirfst, ohne diese Vorwürfe auch nur ansatzweise zu belegen. Das alles drängt mich zu der Frage, wie genau Du es eigentlich nimmst mit den Standards des Qualitätsjournalismus, den Du hier verteidigst. Oder gelten diese Standards nicht, wenn Du, wie Du es so schön ausdrückst „auf die Kacke haust“.

        Ich habe mehr und mehr das Gefühl, dass dein Artikel ein recht diffuses Getöse ist und es dir gar nicht um die größeren Zusammenhänge geht. Auch nicht wirklich um das Ende des Filmjournalismus, wie es Dein Titel anteasert, denn die traditionellen Kritiker sind dir ja anscheinend auch reichlich egal. Ja, warum geht es dir denn eigentlich? Darum, mal wieder um die Häuser zu ziehen und „auf die Kacke zu hauen“? Oder geht es in dem ganzen langen Artikel lediglich um Dich selbst? Und die Handvoll fest angestellter Online-Filmkritiker, die es da draußen gibt, und die jetzt, so verstehe ich Deine zentrale Sorge, wegen Moviepilot (?!?) weniger Schnittchen auf Presseevents abbekommen werden? Dafür brauchst Du ganz schön viele Wörter.

        Damit können wir aus meiner Sicht diese kleine Unterhaltung jetzt auch beenden.

        In der Antwort auf meine Antwort hast du aber etwas geschafft, was dein ellenlanger, recht diffus zusammengezimmerter und reichlich diffamierender Getöse-Artikel nicht vermag. Du hast eine interessante Frage gestellt, die tatsächlich einen großen Einfluss auf den Journalismus in diesen Tagen hat: Facebook stellt neben Google seit etwa 24 Monaten eine massive Trafficquelle für jeden Publisher da draußen dar, egal ob BuzzFeed auf der einen Seite oder die New York Times auf der anderen.

        Google hat in den letzten 15 Jahren die Art und Technik, wie Publisher schreiben oder ihre Texte zumindest anlegen, nachhaltig verändert. Und diesen Einfluss hat nun auch Facebook. Und im Gegensatz zu Google, ist der Facebook-Algorithmus, der dafür sorgt, welcher Content im Newsfeed nach oben kommt, noch ziemlich eindimensional. Er belohnt Engagement und nicht zwangsläufig inhaltliche Relevanz. Er ist demnach deutlich „boulevardiger“ als der Google Algorithmus. In Reaktion auf diesen aktuellen Stand des Facebook Algorithmus sind Facebook-Posts im Moment sehr laut, sehr Headline-fixiert, sehr Klick-fokussiert (egal ob von der NYT, BuzzFeed, Business Insider, Variety, Vice, Empire oder eben auch von uns). Und jeder Publisher, der sich für Social Traffic interessiert, experimentiert aktuell damit, wie sich klickfähige und laute Teaertexte mit relevantem Content vereinen lassen. Denn letztlich ist jeder Publisher darin interessiert, dass sein relevanter Content von möglichst vielen Menschen gelesen wird.

        Fast jedes Publisher-Geschäftsmodell basiert zudem auf Werbeumsätzen und damit auf Traffic. Du schreibst: „Ihr dreht für alle die Lautstärke nach oben und bald schreiben wir uns alle gegenseitig so laut an, dass niemand mehr irgendwas hört.“ Die Gefahr sehe ich aktuell hinsichtlich des enormen Einflusses von Facebook als einem neuen, mächtigen Traffic-Generator für alle Publisher da draußen grundsätzlich auch. Es gibt Unmengen von gutem Content da draußen. Mehr als je zuvor. Und Contributor-Modelle und Plattformen wie unseres führen dazu, dass es noch mehr Content geben wird. Aber die Kuratierungs- und Relevanz-Modelle, die aktuell existieren, kommen mit dieser Vielfalt aktuell noch nicht zurecht.

        Das Content-Ökosystem Facebook entwickelt sich ständig weiter. Und Relevanz steht ganz oben auf ihrer Liste. Und das muss es zwangsläufig auch, wenn Facebook nachhaltig als Content-Distributor eine Rolle spielen will. Insofern wird sich das Problem Lautstärke=11 von selbst lösen. Und innovative Publisher (zu denen wir uns zählen), werden sich auch weiterentwickeln und unser Content muss auch immer relevanter werden, wenn wir nachhaltig Bestand haben wollen. Für uns heißt das vor allem, möglichst vielen Contributors dabei zu helfen, relevanten Content zu erzeugen, denn wir glauben daran, dass dieses Modell zusammen mit fest angestellten Journalisten die beste Relevanz erzielen wird. Uns geht es darum, ein zukunftsfähigen und innovatives Modell irgendwo zwischen Plattform und Publisher aufzubauen, das uns dabei hilft, diese nachhaltige Relevanz zu erlangen.

        Und nur darum ging es uns in dem Artikel, bei dem es uns übrigens um die Inspiration ging, die wir als Firma aus dem Beispiel Cameron Crowe ziehen.

        • Antworten Dezember 8, 2014

          Ninja Phil

          Lieber Tobias,

          eigentlich hatte ich hier eine längere, schärfere Antwort im Sinn gehabt und auch schon geschrieben, mich letztlich aber dazu entschieden, sie
          nicht zu posten.
          Denn ich weiß aus genügend Erfahrung, dass diese Auseinandersetzungen per Kommentarfunktion selten gut ausgehen und letztlich alle Parteienschließlich noch wütender sind, obwohl es doch eigentlich um Aufklärung gehen sollte.
          Das möchte ich hier vermeiden.

          Wie ich schon in meinem ursprünglichen Text geschrieben hatte: Mir geht es hier nicht um persönliche Ressentiments gegenüber Moviepilot.com oder etwa Deiner Person und auch das wiederhole ich nochmal, wenn es denn sein muss: Ich kann komplett anerkennen und repektieren, was ihr mit dieser Firma geschafft habt.

          Was mir etwas sauer aufstößt, bezüglich Deiner Empörung: Ich habe
          niemals behauptet, dass ihr eure Contributor nicht bezahlt. Ich habe
          die Frage gestellt. Und nachdem Du in Deiner ersten Reaktion dieses
          System genauer ausgeführt hast, habe ich das begrüßt, es aber trotzdem weiter hinterfragt.
          Auch was inhaltliche Kontrolle
          und motivierte Zensur betrifft, stelle ich Fragen. Fragen, die Du ja
          beantworten könntest. Stattdessen wirfst Du mir vor, sie nicht gefragt zu haben. Leicht paradox, oder?

          Natürlich geht es in diesem Text auch um mich – na klar!
          Es geht darum, dass ich immer Filmjournalist werden wollte. Mittlerweile aber, wenn ich mir das Umfeld und die berufliche Situation der Branche so ansehe. komme ich einfach zu dem Schluss: Das ist kein toller Beruf mehr. Gut bezahlt war er noch nie (oder nur in
          Ausnahmefällen), mittlerweile kratzt man aber als schreibender
          Redakteur, vor allem im Online-Bereich, eher am Existenzminimum und
          die Karriereperspektiven sind auch für die Tonne. Beruflicher
          Aufstieg? Ich bin froh wenn mein kümmerlich bezahlter Ein-Jahres-Vertrag noch einmal verlängert wird!
          So denken SEHR viele Menschen in dieser Branche mittlerweile. Und diese Resignation finde ich ziemlich bitter. Da geht es um sehr viel mehr als um ein „paar Schnittchen“. Und das hast Du offenbar noch nicht ganz verstanden, wie diese flapsige Bemerkung aufzeigt.

          Gleichzeitig geht es aber nicht nur um mich als Autor, sondern auch als Leser. Was für Mengen an Zeug ich früher gelesen habe! Auf wie viel Filmseiten ich täglich war, wie viel ich kommentiert habe!
          Ich mache das fast gar nicht mehr. Denn es macht keinen Spaß mehr. Es gibt nur noch meinungsmäßig verhärtete Fronten, denen meist nichts anderes mehr einfällt, als sich zu beleidigen. Und es gibt nur noch die Extreme.
          Entweder Du schreibt „Awesome Hobbit-movie is awesome“ und kriegst 200 Likes und Kommentare wie „Yeah awesome, bro!“ oder Du schreibst „Fucking Hobbit movie sucks ass“ und kriegst zurück, „You suck ass, douchebag!“ – machen wir uns doch nix vor, auf dem Niveau ist doch der Diskurs angelangt. Und beide Seiten sind komplett öde.

          Und ist Moviepilot daran schuld? Nein! Aber ihr fördert in eurem
          momentanen System diese negativen Tendenzen meines Erachtens mehr, als das ihr sie bekämpft. Davon kann ich euch nicht
          freisprechen.

          Aber Tobi, mir ging es in meinem Text auch nicht um das „Aufdecken
          des Prinzips Moviepilot“ und das sollte keine Reportage über
          eurer Geschäftsmodell werden.
          Wie ich ganz zu Beginn schrieb: Viele dieser Überlegungen gingen mir
          schon lange durch die Birne. Allerdings hast Du durch Deinen Text mir
          einfach die perfekte Steilvorlage geliefert.
          Und diesbezüglich kann ich nur an meiner Ansicht festhalten: Ich fand diesen überheblich formuliert, den AF-Vergleich nicht passend und den
          negativen Ton gegenüber professionellen Kritkern und Autoren
          unangebracht und verletzend. Und ich denke, bzw. habe ja auch an den
          Reaktion hierauf gesehen, dass ich damit nicht ganz alleine bin.
          Aber klar, mein Text war ein nörglerischer Rundumschlag, bei dem Du & Moviepilot in das Auge des Sturms gerückt sind. Diesen Fokus habe
          ich nicht wirklich beabsichtigt, aber er kam nun einmal so. Falls Du
          Dich persönlich davon angegriffen gefühlt hast, tut mir das leid.

          Deine Ausführungen im letzten Teil deiner Antwort zeigen ja aber deutlich, dass Du viele Problematiken dieses Systems durchaus verstanden hast.
          Macht man es sich vielleicht zu einfach, wenn man sagt: „Das löst sich irgendwann von selbst!“?
          Sicher ist das eine spannende Diskussion, wie überhaupt viele Aspekte noch ausführlicher diskutiert werden könnten/sollten. Ich denke aber auch, dass wir es hier an dieser Stelle belassen sollten.

          Ich danke Dir für Deine Beiträge, Tobias!
          Viele andere Menschen in Deiner Position hätten das sicher schlicht
          ignoriert und ausgesessen, oder ihre Untergebenen losgeschickt, um
          die Kommentare vollzuspammen. Respekt dafür, dass Du über diesen
          Dingen stehst.
          Und wenn Du Lust hast, ich wäre sehr daran interessiert, diese Auseinandersetzung an anderer Stelle fortzuführen. Vielleicht als kleine Podcast-Session (mit vermittelndem Moderator 😉 ) wenn Du mal Zeit hast und in Berlin bist? Ich würde mich freuen! No hard feelings und beste Grüße!

          • Dezember 9, 2014

            Tobi Bauckhage

            Danke für Deine Antwort, Philipp. Fair enough. Ich bin im Februar wieder in Berlin, dann können wir ja noch mal sprechen. Grüße, T.

  • Antworten Dezember 4, 2014

    Tim

    Grundsätzlich würde ich Phil zustimmen, auch wenn das ständige Eingeprügel auf die Zyniker und Übersättigten des „Feuilletons“ auch schon zum ermüdenden Ressentiment bzw. einem recht leeren Ritual der Netzfolklore geworden ist.

    Die entscheidende Frage, um die sich Tobi in seinen Antworten herumdrückt, ist ja dennoch vollkommen berechtigt: Wie kann kritischer Journalismus funktionieren, der von den Objekten seiner Kritik (oder seiner Bewunderung) wirtschaftlich abhängig ist? Es gibt Filmwebsites (von den Bloggern ganz zu schweigen), die vor diesem Paradox insofern kapituliert haben, als dass sie den Filmjournalismus aus Prinzip und nicht aus ökonomischer Notwendigkeit ausschließlich ehrenamtlich betreiben wollen. Geld für Kritik, das ist in dieser Sichtweise – der ich mich nicht unbedingt anschließen würde – schon automatisch Korruption, egal von wem das Geld tatsächlich kommt. (Suggeriert wird so natürlich: ALLES Geld, das sich in diesem Kreislauf bewegt, kommt letztlich irgendwie von den großen Studios)

    Ein praktikabler Kompromiss für freie Autoren wie mich ist es bislang noch, meine „motherfucking rent“ mit anderen Aufträgen zu bezahlen und Filmkritik als „Sahnehäubchen“ obendrauf zu setzen. Ideal finde ich das nicht, schon alleine deshalb, weil es zu meinem Verständnis als professioneller Kritiker gehört, sich dem aktuellen filmischen Geschehen so ausgiebig und zeitintensiv wie möglich widmen zu können. Und wenn dies ökonomisch nicht mehr möglich ist, dann verschwinden eben bestimmte soziale Milieus aus der Filmkritik und damit auch deren – wie bei uns allen zwingend subjektiv bestimmten – Sichtweisen auf die Welt und aufs Kino. Wie viele junge Eltern z.B. noch Filmkritiken schreiben können, wenn dies wesentlich in der sogenannten Freizeit passieren muss, sei dahingestellt. Diese Stimmen zu verlieren, fände ich schade – gerade weil das Versprechen des Netzes (und, so wie er es beschreibt, auch das von Tobi) doch ist, mehr Stimmen als bisher Gehör verschaffen zu können.

  • Antworten Dezember 8, 2014

    KarlaBa

    Es gibt nun ja auch immer mehr Skeptiker, die sagen, dass es eine Gegenbewegung geben wird. Nicht alle wollen eine Gesellschaft, in der ständig das Smartphone piept und man wie ein ADHSler auf jeden Link klicken muss, weil Facebook uns eine Notification geschickt hat. Wo kommen wir denn da hin? Wie jede Gegenbewegung wird erst die Kritik an dieser gestörten Gesellschaft sehr laut werden müssen und es zum Clash kommen müssen, bevor sich die Avantgarde (Studenten und Künstler) radikal gegen die Gesellschaft wendet und sich langsam wieder eine Kultur entwickeln kann, die auf ehrliche Momente setzt, weniger aus Skandal. Die sich Zeit nimmt und dem Gegenüber ins Auge schaut, ohne das iPhone auf dem Tisch liegenzulassen. Die auf Konzerte geht, ohne mit dem Phone mitzufilmen. Die ins KIno geht, ohne ständig auf Whatsapp Nachrichten zu schicken. Die eine Zeitung liest, ohne wie in Manie von Tab zu Tab zu klicken und auf jeden verlinkten Inhalt. Früher gab es schon viel relevanten Inhalt. Der wurde gedruckt und stand in Bibliotheken. Heute gibt es vor allem kurzweiligen Content, der morgen vergessen ist. Kaum etwas von den Internet-Inhalten hat Bestand. Faust schon. Walter Benjamin schon. Franz Kafka schon. Peter Scholl Latour schon.

  • Antworten Dezember 13, 2014

    Tobias Mayer

    Ich teile die von Philipp formulierte Kritik an flachen, unkritischen und für Facebook in reißerische, hysterische Teaser-Texte verpackten Inhalten. Ich glaube, dass viele Leser auf die Jubel-Inflation und die falschen Versprechen in Klickköder-Überschriften irgendwann mit prinzipiellem Desinteresse reagieren werden. „Dieser Trailer soll mein Leben verändert? Das hat der gestern doch auch schon nicht!“ Interessant finde ich es in diesem Zusammenhang, mehr über die Verweildauer eines Lesers zu erfahren – wie lange befasst sich der Leser mit dem jeweiligen Text, nachdem er auf die Überschrift geklickt hat? Die Verweildauer ist auch für Werbekunden eine wichtige Größe – was nützt der Klick, wenn der Leser wieder woanders ist, bevor er das Banner sieht?

    Und damit zum nächsten Punkt: Die Diskussion über Qualität, über Bezahlung von Filmjournalisten, sie ist nicht zu trennen von der Frage nach dem Finanzierungsmodell. Ich lasse mich hier sehr gerne eines Besseren belehren, sehe aber derzeit keine Alternative zum (problematischen) Werbemodell. Oder kann es uns gelingen, unsere Leser online zum Zahlen zu bewegen? „Filmkrautreporter“ – Utopie oder Chance? (https://krautreporter.de/pages/ueber_uns)

Leave a Reply