Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron – Die Roboter kommen!

Grandioses Superhelden-Epos oder roboterhaftes Blockbuster-Gedöns? Über-Blockbuster Age of Ultron will den Kinosommer 2015 dominieren, aber wäre der Erfolg auch verdient? Die Kritik zum Film!

The Team is back! Nach drei Jahren Wartezeit fügt sich die Supergroup namens The Avengers für eine weitere Weltenrettung zusammen. Iron Man, Captain America, Hulk, Thor, Hawkeye und Black Widow treten in Age of Ultron gegen einen übermenschlichen Gegner an. Die künstliche Intelligenz Ultron, ursprünglich von Tony „Iron Man“ Stark und Bruce „Hulk“ Banner zum Schutz der Menschheit erdacht, entwickelt ein Eigenleben, dreht durch und möchte besagte Menschheit nun auslöschen. Soweit, so blockbustertauglich. Doch leider schafft es Regisseur Joss Whedon nicht, einen ähnlichen Triumph hinzulegen, wie im Vorgänger. Dazu weiter unten mehr, aber natürlich bietet Age of Ultron auch eine Menge, was man mögen kann. Starten wir die Betrachtung also positiv:

Was ist das Beste an „Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron“?

Die Effizienz der mittlerweile perfekt geölten Marvel-Maschinerie hatte ich ja bereits an anderer Stelle schon gelobt, Age of Ultron zeigt, dass noch ordentlich Dampf im Kessel ist. Schon der Auftakt ist eine furios choreographierte Actionszene, bei der jedem Superheldenfan das Herz vor Verzückung hüpfen dürfte. Wo der erste Avengers-Film noch einen epischen Team-Up Moment im Finale hatte, fängt Age of Ultron damit gleich an und bemüht sich stets, in Sachen Action und Spektakel noch einen draufzusetzen. Alleine ob des „Spektakel-Faktors“ lohnt sich also ein Besuch im größten Kino, das sich finden lässt. Klar, mittlerweile ist das Publikum klar übersättigt, was pompöse Action in Filmen angeht, oft sind diese Materialorgien auf Dauer ermüdend. Age of Ultron sucht sich allerdings immer Mittel und Wege, die Action abwechslungsreich zu gestalten und von den verschiedenen Fähigkeiten seiner Helden (gerade in Kombination) das beste herauszuholen. Wer satte Superhero-Action sehen will, und das dürfte für die Zielgruppe voll zutreffen, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Hat den härtesten Avenger-Job: Regisseur & Autor Joss Whedon

Hat den härtesten Avenger-Job: Regisseur & Autor Joss Whedon

Der ganz klar stärkste Pluspunkt des zweiten Avengers ist die Aufsicht von Regisseur und Drehbuchautor Joss Whedon, der in diesem Monster von Film wirklich einen bewundernswerten Job erledigt. Unter Aufbringung sämtlicher Kräfte schafft Whedon es zu verhindern, dass dieser klar überladene Film unter seinem eigenen Gewicht zerbröselt wie ein Hulk mit Arthrose. So jongliert alleine schon das Drehbuch mit schwindelerregend vielen Elementen, Figuren, Plotereignissen und Wendungen – da wirken berühmt überladene Superheldenfilme wie Spiderman 3 oder X-Men 3 plötzlich ereignisarm. Doch der Meisterjongleur Whedon schafft es, meistens die Bälle in der Luft zu halten. Und als Autor zaubert er den Avengers auch wieder diese humorigen, ungemein unterhaltsamen Dialoge auf die Lippen, die einen fragen lassen, warum in diesen Filmen nicht mal die ein oder andere Actionszene durch Konversation ersetzt werden kann. Bei so spritzigem Wortwitz würde das Publikum sich dabei sicherlich nicht langweilen. Whedons größte Stärke ist dabei diese lockere Selbstironie, die perfekt den schmalen Grad wandelt zwischen der dargebotenen Ernsthaftigkeit und der Erkenntnis, dass vieles was hier gezeigt wird, doch schon hart albern ist. So darf beispielsweise die Frau des Bogenschützen Hawkeye den großartigen Satz sagen: „Darling, I really support all of your avenging, but…“ Mit solchen Momenten, die über den gesamten Film gestreut sind, holt Age of Ultron das Publikum immer wieder zurück, wenn das Geschehen ins Absurde abzurutschen droht.

Erwähnenswert ist außerdem noch ein Neuzugang im Avengers-Team, nämlich der Androide Vision, gespielt von dem Briten Paul Bettany. Zwar darf die Figur soviel von sich nicht preisgeben, aber Bettanys charismatisches Spiel verleiht dem Charakter eine respekteinflößende Würde trotz des kunterbunten Outfits. Und in diesem Team der großmäuligen Sprücheklopfer fügt sich dieser nüchtern-edle Roboter gut ein. Auch wie seine Entstehung in die Geschichte integriert ist, ist schlüssig und bietet Potential für weitere Verwicklungen. Man darf sich auf weitere großartige Momente mit Vision freuen!

Willkommener Neuzugang: Vision (Paul Bettany)

Willkommener Neuzugang: Vision (Paul Bettany)

Was ist das Schwächste an „Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron“?

Hatte ich gerade noch die Jonglierkünste des Joss Whedon gepriesen, muss ich jetzt schon wieder eingestehen, dass selbst dem Meister hier im Getümmel der ein oder andere Ball verloren geht. Denn Age of Ultron ist ein Film, der soviel bedienen muss, dass ihm dabei keine Zeit bleibt, eine interessante Geschichte aufzubauen. Wenn zu den sechs Stamm-Avengers noch einmal drei neue Mitglieder hinzukommen, jeder Held seine charakterbildenden Momente und Nebenhandlungen braucht, der Film aber „nur“ zweieinhalb Stunden lang ist, wird es schwierig, in dem Chaos noch eine komplexe Handlung abzuarbeiten. Was Age of Ultron auch nicht gelingt. Spätestens ab der Mitte der Laufzeit schaltet der Film, was die Geschichte betrifft, auf Autopilot und verlässt sich auf spektakuläre Action, gekonnte One-Liner und Teasing auf künftige Filme. Es hätte dem Film gutgetan, die ein oder andere Actionsequenz zu kürzen und stattdessen mehr auf Charakterentwicklung zu setzen. Denn wenn man schon Joss Whedon als Autor hat, dann soll der doch auch seine Stärken ausspielen können, oder?

Größtes Opfer dieses Systemfehlers ist der Antagonist des Films, der Terror-Roboter Ultron. In zu einer dreidimensionalen Figur zu machen, dafür war wohl offensichtlich schlicht kein Platz. Stattdessen ist Ultron zwar ein süffisanter Sprücheklopfer (im Original gekonnt von The Blacklist-Star James Spader gesprochen), aber trotzdem bloß ein generischer Schurke, der eben die Menschheit ausrotten will. Wieso und warum – nicht so wichtig. Wer sich hier einen Kommentar auf die Gefahren künstlicher Intelligenz, maschineller Überlegenheit oder systematischer Totalüberwachung erhofft hat – Pustekuchen! Ultron ist zwar ein hyperintelligenter Supercomputer, beweist aber in seinem Vorgehen gegen die Avengers wenig mentale Raffinesse – ihn zu besiegen fordert den Avengers kein Köpfchen, sondern schlicht mehr Schlagkraft ab. Wie öde! Age of Ultron setzt also auch hier den Marvel-Trend fort: Die Schurken bleiben weiter blass, was schon immer ein Problem dieses Franchise war. Leider leider ist Ultron hier ganz und gar nicht der erhoffte Befreiungsschlag und muss sich im Schurken-Ranking eindeutig dem charismatischen Loki, dem Gegenspieler aus dem ersten Avengers-Film, geschlagen geben.

Ebenfalls übel auf der Strecke bleibt Avengers-Neuzugang Quicksilver. Bei ihm fragt man sich, warum er überhaupt in den Film eingebaut wurde, so lieblos sind sowohl seine Kräfte, als auch die Figur an sich inszeniert. Wobei das uncharismatische Schauspiel von Darsteller Aaron Taylor-Johnson dem blassen Quicksilver endgültig den Rest gibt.

Quicksilver

So fehlt es Age of Ultron insgesamt an der Motivation, das Genre zu neuen Höhen zu tragen. Stattdessen liefert man lieber mehr vom Gleichen ab. Das ist zwar auf hohem Niveau, aber wirklich erfolgreiche Sequels schaffen es, Geschichten und Figuren in neue, unvorhergesehene Richtung zu lenken. Dieser Film ist vieles, aber originell ist er ganz und gar nicht. Die Formel ist klar erkennbar, auch an der Handlungsstruktur, die nahezu deckungsgleich zum ersten Teil ist. Wo blieb hier der Mut und der Drang, dem Publikum etwas Neues zu bieten?

Wer sollte sich „Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron“ ansehen?

Allen voran die Marvel-Fans, die ja ohnehin nicht mehr überzeugt werden müssen. Wer das Marvel Cinematic Universe liebt, der kommt hier natürlich voll auf seine Kosten. Nicht nur die Stamm-Avengers sind vertreten, auch Figuren wie Falcon (aus Captain America: Winter Soldier), War Machine (aus dem Iron Man-Franchise) oder die SHIELD-Agentin Maria Hill treten auf und füllen Age of Ultron mit einer „Klassentreffen-Atmosphäre“, der die Fans begeistern dürfte. Die Fans, die vor allem in diese Filme gehen, weil sie MEHR haben wollen, werden das Kino begeistert verlassen.

Und wer auf spektakuläre Effekte, jede Menge Explosionen und flotte Sprüche steht, der wird hier natürlich auch voll bedient. Und das sogar ganz ohne plumpes, sexistisches „Ich hab‘ die dicksten Eier“-Gehabe, wie es andere große Blockbuster-Franchises derzeit bieten (*hust*Furious7*hust*). Als unterhaltsamer Hirnabschaltfilm funktioniert der zweite Avengers-Film mit Sicherheit auch, denn dafür sind die visuellen Reize einfach beträchtlich.

Wer sollte sich „Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron“ nicht ansehen?

Im Grunde überflüssig zu erwähnen: Wer Superhelden allgemein doof findet, der sollte diesen Cape-Karneval hier meiden wie die Pest. Bunter und „superheldiger“ wird’s nicht mehr.

Ebenfalls ermüden könnte Age of Ultron vor allem das Publikum, was prinzipiell dem Genre zugetan ist, aber sich auch eine spannende Handlung, einen gesellschaftlichen Kommentar oder, im allgemeinen formuliert, „unerwartete“ Entwicklungen erhofft hat. Denn Age of Ultron bietet mehr vom Gleichen, aber eigentlich nichts neues. Wer also an sich langsam Superheldenmüdigkeit feststellt und mehr auf Abwechslung aus ist, sollte sich den Kinobesuch zweimal überlegen.

Was gibt es sonst noch zu „Marvel’s The Avengers 2: Age of Ultron“ zu sagen?

Dass es für Beobachter dieses Superhelden-Genres sehr spannend wird herauszufinden, wie sich Age of Ultron an den internationalen Kinokassen schlagen wird. Klar, der Film wird Geld wie Heu einspielen, das ist keine Frage. Aber wird er es auch schaffen, seinen Vorgänger zu schlagen, der mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 1,5 Milliarden US-Dollar der dritterfolgreichste Film der Kinogeschichte wurde? Es könnte sein, dass das Plateau also bereits 2012 erreicht wurde und das Prinzip „höher, schneller, weiter“ zwar inhaltlich noch gilt, finanziell allerdings nicht mehr. Wie Marvel auf eine derartige Entwicklung reagieren würde, wäre spannend zu sehen. Kann es nur noch bergab gehen?
Für Deutschland zeichnet sich dieser Trend allerdings derzeit nicht ab. Über 700.000 Menschen wollten hierzulande den Film am Startwochenende sehen – so viele wie bei keinem Marvel-Film zuvor. Und das, obwohl Superhelden-Filme beim deutschen Kinopublikum eher verpönt sind. Vielleicht setzt das ja einen Trend und im nächsten Avengers-Film ist dann ein deutscher Held dabei – Captain Blitzkrieg to the rescue!

Den ersten Teil und weitere MARVEL Filme, folgt dem Link: The Avengers.

Serienfans folgen diesem Link: Aktuelle Serien.

Ninja Philipp

Ninja Philipp

Redakteur at Serien Ninja
Wo immer etwas über einen Bildschirm flimmert, ist Philipp nicht weit! Wahrscheinlich kommt das daher, dass er in seiner Kindheit nicht viel fernsehen durfte. Das kommt davon, liebe Eltern! Heute konsumiert er mit Vorliebe alles, was mit Science-Fiction, Superhelden, Zombies, fiktionalen Königreichen, Robotern, Römern oder zwischenmenschlichen Problemen zu tun hat. Krimis findet er jetzt nicht so spannend, interessante Dokumentationen dafür umso mehr.
Ninja Philipp

@konsumkind

34 | Fels in Brandenburg | Hier ist nicht mal mir zum Lachen
@Claire_Grube_ Du könnest sich viel aufregen, macht auch wach 😉 - 16 Minuten ago

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